Wissen : Mehr Migranten ins Lehrerzimmer

Maximilian Klose

Die Eltern von Mengü Özhan wollten, dass ihre Tochter gut Deutsch lernt und Karriere macht. Aber das fiel ihr damals nicht leicht. „Als Kind türkischer Eltern habe ich in Deutschland ein Bildungssystem durchlaufen, in dem ich keine Vorbilder gefunden habe“, sagte sie am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des „Berliner Netzwerks für Lehrkräfte mit Migrationshintergrund“.

Özhan, die Biologie, Chemie und Ethik auf Lehramt studiert hat, ist eine von 40 Koordinatoren des Netzwerks, die künftig Berliner Schülern aus Migrantenfamilien den Lehrerberuf näherbringen wollen. Heute unterrichtet sie an einer Gesamtschule in Kreuzberg. Für die Schüler sei sie ein Vorbild, „eine von ihnen, die es geschafft hat“, sagt Özhan. Im Projekt „Migramentor“ sollen Lehrkräfte und Lehramtsstudierende auch Nachwuchspädagogen den Einstieg ins Berufsleben erleichtern.

Das Projekt wird von der Freien Universität, der Humboldt-Universität, der Hertie-Stiftung, der Zeit-Stiftung sowie dem Europäischen Sozialfonds finanziert. Bis 2013 sollen insgesamt 1,1 Millionen Euro in verschiedene Aktivitäten fließen: Ein Schülercampus soll jährlich 30 Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe II die Möglichkeit geben, einen Blick ins Lehramtsstudium zu werfen. Außerdem stehen Erstsemesterbegleitung, Vermittlung von Schulpraktika an interessierte Schüler und Mentorenprogramme für Lehramtsstudierende auf dem Plan.

Über 32 Prozent der Berliner Schüler sind nichtdeutscher Herkunft. Der Anteil von Lehrern mit Migrationshintergrund in Berlin ist nicht bekannt, bundesweit soll er bei nur 1,2 Prozent liegen.

Der zunehmenden kulturellen Vielfalt in den Klassen müssten die Schulen auch mit einer „interkulturellen Öffnung auch im Lehrerzimmer begegnen“, sagt Claudia Zinke (SPD), Staatssekretärin für Bildung, Jugend und Familie. Lehrkräfte mit Migrationshintergrund seien auch als Vermittler zwischen Schule und Elternhaus sehr wichtig. Maximilian Klose

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