Wissen : Mehr Volk in die Hochschule

Die VHS Steglitz-Zehlendorf bietet gemeinsam mit der FU Computerschulungen an

Anke Assig

Die Volkshochschule Steglitz-Zehlendorf hat eine heimliche Außenstelle: die Freie Universität. Seit sieben Jahren kooperieren die beiden Bildungseinrichtungen miteinander. Die moderne Computerausrüstung und das didaktische Know-how der Lehrkräfte haben die Liason einst begründet. Von der Textverarbeitung über den „Lernpfad Internet“ für Anfänger bis hin zum professionellen Gestalten eigener Webseiten an leistungsfähigen Windows- und Macintosh-Rechnern reicht das Kursangebot: Mehr als zwei Dutzend der Kurse, die die VHS in der Rubrik „Arbeit und Beruf“ pro Halbjahr anbietet, finden mittlerweile in den Räumen der „Silberlaube“ statt. Wer einen dieser Kurse bucht, den schickt Programmleiterin Bianka Billig in die Habelschwerdter Allee 45 zur „Zedat“. Hinter dem Kürzel verbirgt sich eine Institution, an der kein Student und kein Mitarbeiter vorbeikommt. Jedenfalls nicht, wenn er die modernen Kommunikationstechnologien nutzen möchten: Die Zentraleinrichtung für Datenverarbeitung, kurz Zedat, stellt die IT-Infrastruktur auf dem Campus bereit und vergibt E-Mail-Accounts.

Der Weg lohnt sich: In den Räumen mit so stürmischen Namen wie „Tornado“, „Orkan“ oder „Monsun“ steht modernste Technik bereit. Weil die Freie Universität wie andere Hochschulen auch Mitglied des Deutschen Forschungsnetzwerkes ist, sind ihre Computer außerdem an die schnellsten Datenleitungen des Landes angebunden. Das macht die Internetrecherche und das Herunterladen von Daten extrem schnell. Die erste mit Dreamweaver oder GoLive eigenhändig erzeugte Webseite steht so binnen Sekundenbruchteilen im Netz. Beste Voraussetzungen also für alle Kursteilnehmer, egal ob mit oder ohne Studentenausweis. „Wir sind sehr zufrieden“, lobt Bianka Billig die Kooperation. „Die Vorteile für die VHS und die Nutzer liegen auf der Hand: Wir können inhaltlich anspruchvolle Kurse mit der neuesten Software anbieten.“ Davon profitieren nicht nur die Steglitzer und Zehlendorfer. Denn alle Kurse der 23 Berliner Volkshochschulen lassen sich seit 2003 über ein gemeinsames Webportal recherchieren und buchen. Dadurch werden auch Bewohner anderer Bezirke auf das Spezialangebot der FU aufmerksam. „Seit wir online sind, gab es einen richtigen Schub bei den Anmeldungen“, stellt Billig fest.

Jörg Reker von der Zedat ist stolz auf das Angebot, das er den Berlinern machen kann: „Der Bürger soll sehen, dass wir hier nicht im Elfenbeinturm sitzen. Wir stellen unsere Infrastruktur der Allgemeinheit zur Verfügung.“ Seine Kollegin Jasmin Touati ergänzt: „Dadurch werden unsere Schulungsräume auch zu Zeiten genutzt, in denen sie sonst leer stehen würden, nämlich in den Abendstunden und am Wochenende.“ Das klappt, weil Freie Universität und VHS ihre jeweiligen Ressourcen zum Nutzen der Bürger aufeinander abgestimmt haben. „Anmeldung und Abrechnung managen die Kollegen in Steglitz. Wir planen die Kurse je nachdem, welche Themen nachgefragt werden, stellen die Dozenten und die Räume zur Verfügung“, verdeutlicht Reker die Arbeitsteilung. Das Tandem Hochschule-Volkshochschule hat auf diese Weise über 2700 Bürger weiterbilden können, davon fast 500 im vergangenen Jahr. „Im Schnitt sitzen zehn Frauen und Männer in einem Kurs“, so Billig. Für das Lernklima sei das eine optimale Zahl.

Zustande gekommen ist die Kooperation, weil mit der Zeit immer mehr Angehörige der anderen Berliner Universitäten und interessierte Bürger die Kurse der Zedat besuchen wollten. Die kann jedoch nur Angehörigen der FU ihre Dienste anbieten. Das „Joint Venture“ löste diesen Knoten. „Wir hören viel Lob von den Teilnehmern“, freut sich Billig. Sie hat selbst schon einen Kurs der Zedat in HTML-Programmierung besucht. „Als Insider weiß man dann auch, dass die Kurse in der Silberlaube anspruchsvoller sind und ein höheres Lerntempo voraussetzen“, verrät sie. Für Billig hatte die Weiterbildung Folgen – sie ist jetzt für die Webseiten ihres Arbeitgebers verantwortlich.

Dass die FU Wochenendseminare zu softwaregestütztem Projektmanagement und Desktop Publishing anbietet, wissen inzwischen auch einige Personalchefs. „Zu uns kommen auch viele Mitarbeiter aus kleinen und mittelständischen Betrieben, die die Gebühren bei namhaften Weiterbildern nicht bezahlen können“, so Reker. Und noch etwas bereitet ihm Genugtuung: Auch immer mehr Studenten anderer Berliner Hochschulen tragen sich für die VHS-Kurse ein, zum Beispiel, um das Programm SPSS (Statistical Package for the Social Sciences) zu lernen. Das braucht man, um Statistiken zu erstellen. Sozialwissenschaftler, aber auch Wirtschaftswissenschaftler sind darauf angewiesen, wenn sie empirische Forschungsarbeiten schreiben. „Die Kooperation nutzt auch FU-Studierenden“, stellt Jörg Reker fest. „Ein Wochenendkurs kostet ermäßigt 48 Euro. Das ist sehr günstig.“

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