Menschen bewegen 2017 - Lange Nacht der Ideen : Denk mal an – Denkmalschutz

Das Deutsche Archäologische Institut zeigt in der Schinkelschen Bauakademie mit neusten Technologien seinen Beitrag zum weltweiten Kulturerhalt

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Rekonstruktion einer Baustelle auf dem Palatin in Rom. Diese und ähnliche Rekonstruktionen sind während der "Langen Nacht der Ideen" in der Schinkelschen Bauakademie am 12. Mai von 18 bis 23.55 Uhr zu erleben. Foto: C. von Bargen, DAI
Rekonstruktion einer Baustelle auf dem Palatin in Rom. Diese und ähnliche Rekonstruktionen sind während der "Langen Nacht der...Foto: C. von Bargen, DAI

Kein Ort ist geeigneter als dieser, um zu zeigen, was Kulturerhalt in der Welt heute bedeutet. Das Provisorium der Schinkelschen Bauakademie, dieser neu aus Ziegelsteinen aufgemauerte Aktionsraum hinter Plastikplanen gegenüber dem Auswärtigen Amt, ist Schauplatz der Präsentation des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), das dem Auswärtigen Amt untersteht. Karl Friedrich Schinkel, der Architekt der wegweisenden Bauakademie, hatte bereits 1815 unter dem Eindruck der verheerenden Zerstörungen der napoleonischen Kriege ein nationales Denkmalregister und Denkmalschutz gefordert, weil er die Bedeutung der materiellen Kultur für die Identität einer Nation erkannt hatte. Diese Bauakademie wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und nun steht sie als wiedererrichtetes Provisorium gegenüber dem Amt, das weltweit den Kulturerhalt unterstützt, nicht nur in Syrien und im Irak.

3D-Modell der Porta Nigra in Trier Foto: C. von Bargen, B. Geißler, DAI Architekturreferat
3D-Modell der Porta Nigra in TrierFoto: C. von Bargen, B. Geißler, DAI Architekturreferat

Archäologen arbeiten heute längst nicht mehr nur mit Schaufel, Spaten und Pinsel. Vor allem in der Bauforschung wird mit anderen Institutionen unter Einsatz modernster Technologien kooperiert. „Wir zeigen in der Langen Nacht der Ideen in der Schinkelschen Bauakademie, was Bauforscher heute machen, wie Modelle entstehen und wie wir mit Hilfe modernster Technik aus einem historischen Foto 3D-Modelle herstellen können“, sagt Friederike Fless, Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts. So können sich die Besucher eine 3D-Brille aufsetzen und Dank „augmented reality“ durch die Gebäude aus der Uruk-Ausstellung von 2013 wandeln oder Castel Gandolfo durchstreifen, was sonst nicht so ohne Weiteres möglich ist. Der Auftritt an dem traditionsreichen Ort ist dialogisch angelegt. „Wollen Sie virtuelle Realitäten oder wollen Sie die Ruinenromantik?“, werde man die Besucher fragen. Das werde zu höchst spannenden Diskussionen und Prozessen führen, ist sich Fless sicher. Über Palmyra wurde diese Debatte ja auch mit Heftigkeit geführt – Rekonstruktion aus dem 3D-Drucker oder Wiederaufbau, wenn es die politische Situation erlaubt?

Die modernen Visualisierungstechniken, die Rekonstruktionen ganzer Gebäude und Stadtlandschaften macht die Archäologie und den Kulturerhalt auch nachvollziehbarer. Man sieht, was man verliert und was man wieder bekommen kann – das Vorstellungsvermögen wächst.

„Wir reagieren meist erst, wenn etwas zerstört worden ist“, sagt Fless, aber jetzt könne man eindrucksvoll in dem ehemals zerstörten und nun restaurierten Raum der Bauakademie zeigen, was wieder möglich wäre.

Weitere Texte zum Thema Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik finden Sie auf unserer Themenseite Menschen bewegen

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