Wissen : Mit vielen Stimmen

Deutsche Forschung im Ausland – Wissenschaftsrat kritisiert Konzept für nationale Akademie

Uwe Schlicht

Die deutsche Wissenschaft soll im Ausland mit einer Stimme vertreten sein – und nicht wie bisher durch eine Vielzahl von Stimmen. Peter Strohschneider, der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, erinnerte am Dienstag in Berlin an eine entsprechende Empfehlung des Gremiums zur Gründung einer nationalen Akademie aus dem Jahr 2004. Anlass der Mahnung sind Pläne für eine „Deutsche Akademie der Wissenschaften“. Dem Vernehmen nach soll sie vor allem eine koordinierende Funktion haben und Wissenschaftsorganisationen wie die Max-Planck-Gesellschaft, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Helmholtz Gemeinschaft oder die Alexander-von-Humboldt-Stiftung zu Strategiegesprächen zusammenrufen, wenn es um die Außenvertretung geht. Auch weiterhin sollten mehrere Institutionen bei internationalen Treffen für die deutsche Wissenschaft sprechen. Die Regionalakademien und die Allianz der Wissenschaftsorganisationen haben sich weitgehend auf ein Modell geeinigt, über das die Bund-Länder-Kommission am 21. Juni entscheiden könnte.

Der Wissenschaftsrat lehne es ab, den vielen Wissenschaftsorganisationen bei der Auslandsvertretung nun noch eine weitere in Gestalt der Deutschen Akademie hinzuzufügen, sagte Wedig von Heyden, Generalsekretär des Wissenschaftsrats. Die nationale Akademie soll neben der Vertretung im Ausland innerhalb Deutschlands Politik und Gesellschaft über die großen Zukunftsfragen der Wissenschaft unabhängig beraten. Dem Wissenschaftsrat sei von der Politik signalisiert worden, dass auch Bund und Länder sich bei der ausstehenden Finanzierungsentscheidung von diesen Prinzipien leiten lassen würden.

Unter den acht Akademien der Wissenschaften in Deutschland ragt unterdessen die Leopoldina der Naturwissenschaftler heraus. Sie hat es geschafft, von den großen Nationalen Akademien der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Schwedens, Russlands, Japans, Chinas und Indiens als die Stimme der deutschen Wissenschaft akzeptiert zu werden. Die Leopoldina gehört zu den Mitunterzeichnern von Stellungnahmen der internationalen Akademien zu so wichtigen Fragen wie der Bekämpfung von Infektionskrankheiten oder des globalen Klimawandels. Diese Stellungnahmen sind jeweils zu den Spitzentreffen der führenden Industrienationen der G8 veröffentlicht worden.

Gleichwohl könne die Leopoldina im Ausland nur für die Naturwissenschaften und die Lebenswissenschaften sprechen, sagte Strohschneider. Obwohl die Akademie mit Sitz in Halle auch eine geisteswissenschaftliche Klasse aufbaue, solle die Deutsche Akademie künftig für die Geisteswissenschaften sprechen. Uwe Schlicht

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