Multiresistente Keime : Weiterer Todesfall in Kieler Klinik

Derzeit werden noch 16 Patienten isoliert, bei denen der Keim Acinetobacter baumannii nachgewiesen wurde. Ausgelöst hat den Ausbruch vermutlich ein Patient, der zuvor in der Türkei behandelt wurde.

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Unter Druck. Jens Scholz versuchte, während einer Pressekonferenz am Montagabend den Ruf seiner Klinik zu verteidigen.
Unter Druck. Jens Scholz versuchte, während einer Pressekonferenz am Montagabend den Ruf seiner Klinik zu verteidigen.Foto: dpa

Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel hat es einen weiteren Toten gegeben, bei dem der Keim Acinetobacter baumannii nachgewiesen wurde. Das teilte die Klinikleitung am Montagabend auf einer Pressekonferenz mit. Damit erhöhte sich die Zahl der Todesfälle auf zwölf. Neun Patienten seien jedoch an ihren Grunderkrankungen gestorben, sagte Klinikchef Jens Scholz. Bei drei weiteren Fällen könne man nicht ausschließen, dass der multiresistente Keim zum Tod beigetragen habe. Insgesamt waren 31 Patienten mit dem Erreger besiedelt oder infiziert, 16 davon werden derzeit noch im Klinikum strikt isoliert.

Zwei Intensivstationen bleiben gesperrt. Die Klinik räumt sie nach und nach, um dann mit einer Desinfektion der Räume und Geräte zu beginnen. Diejenigen Patienten, die mit dem Keim in Berührung gekommen sein könnten, müssen drei Mal negativ getestet werden, bevor sie entlassen und umverlegt werden dürfen. Patienten, bei denen der Keim nachgewiesen wurde, bekommen einen Vermerk in ihre Krankenakte, die sie für die Zukunft als mögliche Träger von Acinetobacter baumannii identifiziert.

Ein Risikopatient wurde im Dreibettzimmer untergebracht

Die medizinischen und hygienischen Kriseninterventionen seien ordnungsgemäß verlaufen, betonten Experten der Universitätsklinik Frankfurt am Main, die in Kiel hinzugezogen wurden. Es gebe keinen Grund zur Panik. Auslöser des Ausbruchs war vermutlich ein Patient, der zunächst in der Türkei behandelt wurde und Mitte Dezember in Kiel auf die internistische Intensivstation kam. Zwar wurde er als Risikopatient eingestuft. Es war jedoch kein Einzelzimmer frei, so dass er zuerst in einem Dreibettzimmer lag. Er wurde isoliert, als das Testergebnis einige Tage später vorlag.

Der Klinikleiter Scholz widersprach den Vorwürfen der Gewerkschaft Verdi, dass Personalmängel in den vergangenen Jahren zu Hygienedefiziten geführt hätten. Scholz bezeichnete diese Vorwürfe als „aus der Luft gegriffen“. Das habe nichts mit dem Ausbruch zu tun.

Kritik gab es vor allem an der an der Öffentlichkeitsarbeit der Klinik. Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU), derzeit Patienten-Ombudsmann im Land, zeigte kein Verständnis dafür, wie und wie spät der Weg an die Öffentlichkeit gesucht wurde. Selbst das schleswig-holsteinische Gesundheitsministerium war bis Freitag nicht informiert worden. Scholz betonte, man habe das Kieler Gesundheitsamt eingeschaltet, das wiederum ans Robert-Koch-Institut in Berlin gemeldet habe. Mehr sei nicht vorgeschrieben. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sprach sich am Montag für eine Verschärfung der Meldepflichten aus. Schleswig-Holsteins Amtskollegin Kristin Alheit (SPD) nannte diese Forderung eine „sinnvolle Überlegung“.

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