Musikfestwochen der UdK : Crescendo und Decrescendo

Der Trompeter Konradin Groth organisiert die Musikfestwochen der UdK und spielt jeden Tag, auch im Urlaub, sein Instrument.

Constanze Beger
Kulturbotschafter. Konradin Groth, Professor für Trompete, leitet die Musikfestwochen der UdK.
Kulturbotschafter. Konradin Groth, Professor für Trompete, leitet die Musikfestwochen der UdK.Foto: Johannes Bock

Crescendo (sprich: kreschendo mit Betonung auf der mittleren Silbe) ist italienisch und bedeutet: wachsend. Was wächst denn bei den Musikfestwochen der UdK Berlin, die den Namen crescendo tragen und immer im Sommersemester stattfinden? Es wächst zusammen, was eigentlich zusammengehört: die Bühnenkünste, die in den Fakultäten Musik sowie Darstellende Kunst an der Universität gelehrt werden, aber auch die Bildende und Gestaltende Kunst, die beispielsweise Videokunst zu Rainer Feldmanns meditativem „Metamorphosen“-Projekt für zwölf Gitarren, Live-Elektronik und Sprecher beisteuerten. Dieses „fakultative“ Wachstum, aber auch das des Konzertangebots und der Besucherzahl hat in nicht geringem Maße der Künstlerische Leiter des Festivals zu verantworten: Konradin Groth.

„Aber ich bin ja nicht nur für das crescendo-Festival zuständig, ich bin in erster Linie Professor für Trompete an der UdK.“ Und da unterstützt er das künstlerische Wachsen seiner Studierenden und nicht zuletzt, dass die richtigen Töne an- oder abschwellen, also crescendo oder decrescendo gespielt werden – daher kennt jeder Musiker, jede Musikerin diesen Begriff. Groth selbst wuchs im geteilten Berlin auf und studierte ab 1965 Trompete bei Fritz Wesenigk an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Berlin (die später zur Hochschule der Künste, heute UdK Berlin, mit der Hochschule der Bildenden Künste zusammenwuchs).

Nach drei Jahren bei den Philharmonikern kannte Karajan seinen Namen

Mit 21 Jahren gelang ihm der Einstieg bei den Berliner Philharmonikern als Zweiter Trompeter: „Da war alles neu für mich, alles musste ich vom Blatt spielen, und ich kannte nur meine Trompetenstimme. Der Anspruch war sehr hoch und Karajan bekanntermaßen eine Respektperson. An die drei Jahre dauerte es, bis er mich beim Namen kannte.“

Ein vierjähriges Zwischenspiel als Solotrompeter an der Deutschen Oper ließ Groths Kunstfertigkeit weiter wachsen, und 1974 kehrte er zurück zu den Philharmonikern als Erster Solotrompeter. „Den stärksten Eindruck hinterließen bei mir letztlich die Konzerte, bei denen ich als Musiker auch quasi als Botschafter auftrat, zum Beispiel bei den ersten Konzerten in China 1979 mit Karajan oder in Tel Aviv 1990 unter Daniel Barenboim sowie unter Zubin Mehta gemeinsam mit dem Israel Philharmonic Orchestra.“

Seit 1987 unterrichtet Groth an der UdK, seit 1998 als ordentlicher Professor, natürlich weit mehr als das De-/Crescendo von Tönen. Seine ehemaligen Schüler spielen weltweit in bedeutenden Orchestern oder unterrichten selbst als Professoren das Trompetenspiel. Die Früchte seiner pädagogischen Arbeit werden am 18. Juli im Rundgangskonzert zu hören sein. Groth darf sich derweil auf sein Decrescendo, den verdienten Ruhestand, freuen, obwohl der sicher nicht ganz ruhig sein wird – bis zum heutigen Tage spielt er mindestens zwei Stunden täglich Trompete, selbst im Urlaub.



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