Wissen : Mutterschaft auf Eis gelegt

Frauen bekommen immer später Kinder – eine Herausforderung für Mediziner

Bas Kast

Als Christy Jones 34 wurde, tat sie etwas, um das immer lauter werdende Ticken ihrer biologischen Uhr zu übertönen: Sie legte zwölf ihrer Eizellen auf Eis.

Jones ist Amerikanerin, und zwar eine ziemlich erfolgreiche. Mit 19 gründete die Studentin der kalifornischen Elite- Uni Stanford ihre erste Software-Firma. Mit 30 war sie Millionärin, aber immer noch keine Mutter. Und das könnte auch noch eine Weile dauern, denn Jones hat inzwischen ein neues Unternehmen ins Leben gerufen. Es heißt „Extend Fertility“ (etwa: „Verlängere die Fruchtbarkeit“). Angebot der Firma: Die Eizellen von Frauen einzufrieren. Von Frauen, die zum Beispiel wie Christy Jones um die 30 sind und noch keine Zeit oder keinen Partner für ein Kind gefunden haben. Sobald sich das ändert, können sie mit Jones’ Hilfe ihre Eizellen auftauen lassen und dann, im Alter von 40 oder 50, noch ein eigenes Kind bekommen. „Wir hoffen, dass wir eine ähnliche Revolution herbeiführen wie einst die Pille und Müttern mehr Wahlfreiheit und Kontrolle über ihre Lebensplanung geben“, sagt die Unternehmerin Jones.

Nicht nur in den USA, auch in Deutschland werden Frauen immer später Mütter. Die 64-jährige Frau, die nun in Aschaffenburg ein Kind austrug, bleibt zwar eine Ausnahme. Dennoch hat sich das Durchschnittsalter in den letzten 30 Jahren stetig nach oben verschoben. Mitte der 1970er Jahre betrug das Alter der Frau beim ersten Kind noch gut 26 Jahre, inzwischen liegt es bei über 30.

Wenn dieser Trend anhält, dann liegt das Durchschnittsalter für das erste Kind in weiteren 30 Jahren in etwa da, wo die biologische Uhr allmählich aufhört zu ticken: bei einem Alter von 35. Wir werden immer älter und verschieben auch den Kinderwunsch auf immer später, die Fruchtbarkeitsgrenze der Frau aber verschiebt sich nicht ähnlich mit nach oben. Nein, nach 35 sinkt die Fruchtbarkeit rapide. Das liegt daran, dass mit den Jahren auch die Eizellen altern, die bereits bei der Geburt angelegt sind – im Gegensatz zu Spermien, die immer wieder frisch aus Stammzellen gebildet werden. Die Eizellen häufen im Laufe der Zeit Schäden an und gehen zugrunde.

Mit teilweise kühnen Visionen versprechen Biotech-Unternehmen und Reproduktionsmediziner Abhilfe. Eizellen einzufrieren ist dabei eine von mehreren Ansätzen, die sich noch im Experimentalstadium befinden. Ausgereift ist das Frostverfahren noch lange nicht. Zwar wurden aus eingefrorenen Eizellen weltweit schätzungsweise einige 100 Kinder geboren. Die Probleme sind aber noch erheblich. Eizellen sind weitaus empfindlicher als Spermien, unter anderem weil die Eizelle viel Wasser enthält und sich beim Einfrieren gefährliche Kristalle bilden können. Außerdem enthält die Eizelle einen Spindelapparat, der die Zellteilung des Embryos regelt – auch der kann bei der Prozedur leicht zerstört werden. Deshalb experimentiert man auch mit ganzen Eierstöcken oder Eierstockgewebe. So ist es israelischen Wissenschaftlern bei Schafen gelungen, Embryos aus vollständigen Eierstöcken entstehen zu lassen, die nach dem Einfrieren und Auftauen transplantiert wurden.

Viele Frauenärzte begrüßen diese Forschung. „Soll eine Frau, die 80 wird, etwa unbedingt schon mit 20 Jahren ihr Kind bekommen?“, fragt zum Beispiel der Gynäkologe Hans-Rudolf Tinneberg von der Uniklinik Gießen und Marburg – und fordert eine Diskussion: „Damit müssen wir uns endlich auseinandersetzen.“

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