Nach Kritik an Kampagne : BUND zieht umstrittenes Babyvideo zurück

Der BUND zieht sein umstrittenes Kampagnenvideo gegen Pestizide zurück. Das bestätigte ein Sprecher der Naturschutzorganisation dem Tagesspiegel. Der kurze Clip zeigt Babys auf einem Acker, die von einem Flugzeug aus mit Pflanzenschutzmittel besprüht werden. Dann erscheint das Motto der Kampagne: „Pestizide. Hergestellt, um zu töten.“

Kai Kupferschmidt
Szene aus BUND-Video: Babys mit Giftstoffen übersprüht
Szene aus BUND-Video: Babys mit Giftstoffen übersprühtScreenshot: Tsp

Der Bauernverband hatte das Video bereits Ende Oktober in einer Pressemitteilung scharf kritisiert. „Mit dieser Entgleisung setzt der BUND seinen Kreuzzug gegen den guten Geschmack fort und missbraucht Bilder von Babys für nachweislich falsche Propaganda“, heißt es darin. Hetze und Desinformation hätten keine Berechtigung, „vor allem dann, wenn sie auf durchsichtige Weise zur Generierung von Spenden dienen.“ Der BUND unterstelle Bauern, dass sie die Tötung von Kleinkindern zumindest billigend in Kauf nehmen.

Mit der Kritik der Agrarindustrie habe der BUND gut leben können, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands. „Doch wir mussten feststellen, dass auch viele Menschen, die unser Anliegen in der Sache teilen, das gewählte Darstellungsmittel unangemessen finden.“ Das Video werde deshalb im Laufe des Tages vom Netz genommen, sagte der BUND-Sprecher Norbert Franck. „Das war ein Fehler in der Öffentlichkeitsarbeit.“ Die Diskussion um das Video habe es erschwert, mit dem eigentlichen Anliegen durchzudringen, nämlich den Einsatz des Pflanzenschutzmittels Glyphosat zurückzudrängen. In Zukunft müsse man „gründlicher schauen, welche Bildsprache man wählt“.

Die Geschichte hat allerdings noch ein juristisches Nachspiel. Der Deutsche Bauernverband hat gegen Franck Anzeige erstattet wegen Volksverhetzung und Beleidigung. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Berlin dem Tagesspiegel. In dem Ermittlungsverfahren müsse geklärt werden, ob das Video die Grenzen der Meinungsfreiheit überschreite, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Dem sehe ich gelassen entgegen“, sagte Franck. Der Bauernverband hat nach Meinung von Juristen geringe Aussicht auf Erfolg.

Glyphosat ist das weltweit am meisten eingesetzte Pflanzenschutzmittel. Es ist seit über 30 Jahren auf dem Markt. Der BUND behauptet, die Chemikalie sei Ursache für Missbildungen, Fehlgeburten und Tumore. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat gerade im Rahmen einer gesundheitlichen Bewertung für die EU hunderte Studien zu Glyphosat ausgewertet und kommt zu einem anderen Schluss. Demnach würden die Studienergebnisse es sogar erlauben, die geltenden Grenzwerte für Glyphosat zu erhöhen.

18 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben