Nach Lenzens Wahl : Hamburg freut sich auf den Neuen

Unter den Professoren mehren sich positive Stimmen zur Wahl Dieter Lenzens als neuem Uni-Präsidenten. „Er kann auch die Studenten ins Boot holen“, glaubt einer.

Amory Burchard
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Besetzter Audimax. Dieter Lenzen hat angekündigt, mit allen Studenten-Gruppen an der Uni Hamburg zu sprechen. -Foto: dpa

Die Wahl des amtierenden Präsidenten der Freien Universität, Dieter Lenzen, zum neuen Präsidenten der Universität Hamburg war eine Hängepartie. Nicht nur rebellierende Studenten kritisierten das „undemokratische und intransparente“ Wahlverfahren. Nach tumultartigen Szenen vor dem Sitzungssaal, in dem Lenzen am Donnerstag seine Vorstellungen für die Zukunft der Uni erläutern sollte, wurde die Wahl auf Freitag vertagt. Doch dann wählte Hamburg den Mann aus Berlin mit großer Mehrheit. Und schon zeichnet sich ab, dass sich viele in der Hansestadt auf den Neuen freuen.

Weiteren Protesten an der Universität Hamburg werde Lenzen wahrscheinlich die Grundlage entziehen, glaubt etwa der Hamburger Politologe Kai-Uwe Schnapp, Dekan der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften: „Ich traue Lenzen zu, diese Studenten peu à peu zu überzeugen.“ Der gewählte Präsident habe erklärt, mit allen Gruppierungen reden zu wollen. „Und er hat die richtigen Vorstellungen, um die Studenten ins Boot zu bekommen“, sagt Schnapp.

Schnapp selber, der am Otto-Suhr-Institut der FU studiert und promoviert hat, aber Lenzen vor seiner Kandidatur nicht kannte, freut sich auf den Neuen. „Ich habe bei der Präsentation am Freitag eine total überzeugende Person gesehen“, sagt der Politologe. Lenzen habe auch auf kritische und teilweise scharfe Nachfragen konstruktiv geantwortet. Und er habe für die Uni Hamburg Entwicklungspotenziale aufgezeigt, „die wir gar nicht gesehen haben“.

Lenzen hat angekündigt, die Uni im Exzellenzwettbewerb zu weiteren Erfolgen zu führen, hält gar die Kür zur Eliteuniversität für möglich. Zudem plant er eine Internationalisierungsstrategie, die an das Zukunftskonzept „Internationale Netzwerkuniversität“ der FU erinnert. Die Hamburger Erziehungswissenschaftlerin Hannelore Faulstich-Wieland kennt ihren Fachkollegen Lenzen von Tagungen. Sie könne sich gut vorstellen, dass er es für eine reizvolle Aufgabe hält, eine „Ruine“ aufzubauen – und sich das auch zutraut. Faulstich-Wieland hofft, dass Lenzen sich der Geisteswissenschaften und der Lehrerbildung annimmt. Beide Bereiche seien in den letzten Jahren durch eine Schwerpunktverschiebung zu den Naturwissenschaften benachteiligt worden.

„Es wird weiter harte Auseinandersetzungen geben“, kündigt indes Till Petersen an, Sprecher der studentischen Fachschaftsräte an der Uni Hamburg. Lenzens Positionen hätten wohl nur in einem geheimen Verfahren durchgesetzt werden können. Aber eine Uni könne man nicht geheim leiten. Hannelore Faulstich-Wieland hält den Protest der Studierenden gegen das Wahlverfahren für berechtigt, „aber eine Weg-mit-Lenzen-Kampagne ist unangemessen“. Die Studenten sollten sein Gesprächsangebot annehmen und sich offen mit Lenzen auseinandersetzen.

Die studentischen Aktivisten der Berliner Anti-Lenzen-Kampagne „Not my President“ hoffen unterdessen, dass ein neues FU-Präsidium die Ausrichtung der Universität nach Elitekriterien stoppt. Das hält die Vizepräsidentin der FU, Ursula Lehmkuhl, für ausgeschlossen: Mit Lenzens Weggang würden die Uhren nicht zurückgestellt.

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