Nachgefragt : Warum sind die längsten Tage nicht die heißesten?

Obwohl am Polarkreis die Sonne in diesen Tagen gar nicht mehr untergeht, muss man sich dort trotzdem weiterhin warm anziehen. Der Einfallswinkel der Sonnestrahlen spielt die entscheidende Rolle.

Thomas de Padova

Auf der Nordhalbkugel ist der 21. Juni der längste Tag des Jahres. In Flensburg bleibt die Sonne 17 Stunden und 20 Minuten über dem Horizont, mehr als eine Stunde länger als in München. Noch weiter nördlich, in Helsinki etwa, dauert der Tag zur Sommersonnenwende mit 19 Stunden schon drei Mal so lang wie zur Wintersonnenwende am 21. Dezember. Und am Polarkreis geht die Sonne nun gar nicht mehr unter. Sie scheint noch mitten in der Nacht.

Zum Mittsommernachtsfest muss man sich dort dennoch warm anziehen. In den Polargebieten bleibt es vergleichsweise kalt. Während die Sonne im Süden am Mittag hoch am Himmel steht, steigt sie im Norden nur wenig über den Horizont. Das Sonnenlicht fällt im flachen Winkel ein. So verteilen sich die Strahlen auf eine größere Fläche und spenden weniger Wärme. Das ist der wesentliche Grund dafür, dass es im Norden kälter ist als im Süden und im Winter kälter als im Sommer.

Selbst der höchste Sonnenstand garantiert jedoch nicht die höchsten Temperaturen. Am wärmsten ist es bei uns nicht mittags, sondern zwischen zwei und drei Uhr nachmittags. Und der 21. Juni ist normalerweise auch nicht der heißeste Tag. Wärmerekorde gibt es meist erst im Juli oder August.

Die Erde als Badewanne

Stellen wir uns die Erde mit ihren Ozeanen einmal als Badewanne vor. Lassen wir nun warmes Wasser zulaufen, zeigt das Thermometer erst nach einer Weile die gewünschte Badetemperatur an. Es geht schneller, wenn schon das vorhandene Wasser vorgewärmt war.

„Bei uns hängt die Sommertemperatur stark davon ab, wie gut sich der Atlantik bereits aufgewärmt hat“, sagt Uwe Ulbrich, Meteorologe an der Freien Universität Berlin. Denn unsere Warmluft kommt in der Regel aus westlicher Richtung, vom Meer. „In anderen, trockeneren Gegenden kann es jedoch schneller Sommer werden.“ In Zentralasien zum Beispiel oder in der Sahara.

Kontinente heizen sich rasch auf. In einem trockenen Sandboden erwärmen sich nur die obersten Schichten. In mehr als zehn bis 20 Metern Tiefe bleibt die Temperatur das ganze Jahr über gleich. Im Meer gelangt die Wärme in tiefere Schichten. Der Ozean ist somit ein großes Wärmereservoir. Eine Badewanne kühlt ja auch nicht gleich aus, wenn der Warmwasserhahn zugedreht wird. Das Meer gibt die im Sommer aufgenommene Energie später wieder ab. Dies sorgt für ein angenehmes Klima in Küstengebieten.

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