Nachruf auf Günter Spur : Er war der Vater der modernen Fabrik

Günter Spur war ein Pionier der Automatisierung von Werkzeugmaschinen. Jetzt starb der Ingenieur, der an der TU Berlin lehrte, im Alter von 84 Jahren.

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Porträt des Ingenieurs Günter Spur.
Günter Spur (1928 bis 2013).Foto: Ulrich Dahl/Technische Universität

Das Produktionstechnische Zentrum am Spreeknie in Berlin-Charlottenburg ist ein Techniktempel. In einer gigantischen Versuchshalle und in Laboren entwickeln Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin (TU) und des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen die Werkzeuge der Zukunft – von Robotersystemen bis zur Medizintechnik. Bis vor wenigen Tagen taten sie dies unter den wachsamen Augen Günter Spurs, des Pioniers der modernen Fabrik, der die numerische Steuerung von Werkzeugmaschinen und computergestütztes Design und Produktion (CAD/CAM) in Deutschland und an der TU eingeführt hat. Auch mit 84 Jahren kam Spur täglich ins Büro, heißt es, arbeitete an zahlreichen Projekten.

Gründungsvater der TU Cottbus und von Acatech

Emeritiert wurde Spur 1997, nachdem er das TU-Institut für Werkzeugmaschinen 31 Jahre und das Fraunhofer-Institut elf Jahre geleitet hatte. 1928 in Braunschweig geboren, studierte er an der dortigen Technischen Hochschule Maschinenbau und wurde 1960 promoviert. In der Werkzeugmaschinenfabrik Gildemeister in Bielefeld stieg er zum Konstruktionsleiter auf, führte die numerische Steuerung ein. 1965 berief ihn die TU nach Berlin, für deren Maschinenbau begann eine neue Ära. Spur war Hochschullehrer einer Generation produktionstechnischer Wissenschaftler. TU-Präsident Jörg Steinbach würdigt Spur als engagierten Forscher und akademischen Lehrer. Sein Engagement reichte weit darüber hinaus, so wurde er 1991 Gründungsrektor der TU Cottbus und 1997 einer der Gründungsväter der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften.

Gedenken an die Vertreibung jüdischer Forscher

Spur selber sah sich in der Nachfolge Georg Schlesingers, des ersten Lehrstuhlinhabers für Werkzeugmaschinen an der TH Charlottenburg, aus der die TU hervorging. Der ethische und wissenschaftsgeschichtliche Bruch, den die Vertreibung Schlesingers und zahlloser anderer jüdischer Forscher seit 1933 bedeutete, hat Spur bis zuletzt umgetrieben. Er widmete Schlesinger und der Entwicklung seines Fachs mehrere Bücher, ein weiterer Band erscheint demnächst im Hanser Verlag. Bevor Spur am vergangenen Wochenende zum Kongress der Internationalen Akademie für Produktionstechnik in Kopenhagen aufbrach, organisierte er eine Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Vertreibung Schlesingers. In Kopenhagen ist Günter Spur an diesem Montag im Alter von 84 Jahren gestorben. Er hinterlässt seine Frau Mary und drei Kinder.

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