Nachtrag zur HIV-Debatte : "Was zur Hölle ist hier los?"

In den achziger Jahren dominierte der US-Virologe Robert Gallo die Forschung. Dennoch erhielt er nicht den Nobelpreis. Die Meinung über die Vergabe des Preises geht innerhalb der Wissenschaft auseinander.

Montagnier und Gallo
Robert C. Gallo und Luc Montagnier (v.l.) -Foto: ddp

Es war ein Tag der Schmach für Robert Gallo, 71. In den 80er Jahren hatte der brillante US-Virologe die Aids-Forschung dominiert. Eine Zeit lang galt er auch als Entdecker des Aids-Erregers HIV, der Nobelpreis für Gallo wurde erwartet. Bis sich herausstellte, dass der Franzose Luc Montagnier und sein Team vom Pariser Pasteur-Institut die wahren Entdecker waren. Am Montag nun wurde Montagnier und seiner Mitarbeiterin Francoise Barré-Sinoussi der Medizin-Nobelpreis zugesprochen. Gallo ging leer aus.

Er sei "enttäuscht", ließ Gallo mitteilen. "Ich bin ein bisschen niedergeschlagen, aber es könnte schlimmer sein", sagte er dem Magazin "Science". "Vor 25 Jahren hätte ich gestottert und geflucht ,Was zur Hölle ist hier los?’ Heute kann ich damit leben, so lange, wie man mir nicht mein wissenschaftliches Vermächtnis raubt."

Zur Hausen spielt in einer anderen Liga

Um die Entdeckung und die Patentrechte an Aids-Bluttests hatte es Mitte der 80er Jahre eine Kontroverse zwischen den USA und Frankreich gegeben. Schließlich einigte man sich auf diplomatischer, juristischer und wissenschaftlicher Ebene. Auch am Montag gab es versöhnliche Töne. "Robert Gallo tut mir sehr leid", sagte Montagnier "Science". "Es war wichtig, die Rolle von HIV als Aids-Ursache aufzuklären, und Gallo hat dabei seine sehr wichtige Rolle gespielt."

Die Gemeinde der Aids-Forscher ist gespalten. "Ich bin traurig, dass Robert ausgeschlossen wurde", sagte der Amerikaner David Baltimore, selbst Nobelpreisträger. Noch weiter geht der Brite John Oxford, der am liebsten Gallo statt des Deutschen zur Hausen als dritten Preisträger gesehen hätte. Zur Hausens Arbeit sei wichtig gewesen, habe sich aber "in einer anderen Liga abgespielt". Dagegen begrüßte der US-Virologe Anthony Fauci, führender Aidsforscher der 90er Jahre, die Entscheidung. "Nobelpreise sind immer mit großer Freude und großer Traurigkeit verbunden – je nachdem, wer gewinnt." (wez)

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