Nationale Akademie : Leopoldina lernt laufen

Die Nationale Akademie wagt eine erste Bilanz.

Adelheid Müller-Lissner D

Erst seit knapp einem Jahr ist sie Nationale Akademie der Wissenschaften. Doch die Leopoldina kann auf eine Geschichte zurückblicken, die bis ins 17. Jahrhundert reicht. Nun kann die altehrwürdige Institution sich darauf freuen, bald den angemessenen Platz in einer repräsentativen Villa in Halle zu finden. Den Bescheid mit der Zusage von 15,7 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II brachte Bundesminister Wolfgang Tiefensee vor wenigen Tagen selbst in der Saalestadt vorbei. Generalsekretärin Jutta Schnitzer-Ungefug freut sich, dass die Mittel auch eine Aufstockung des Personals ermöglichen werden.

Der denkmalgeschützten neuen Bleibe zum Trotz hat es sich die Akademie zum Ziel gesetzt, Antworten auf drängende Zukunftsfragen zu suchen. Dabei will man nach den Worten ihres Präsidenten Volker ter Meulen eng mit nationalen und internationalen Partnern zusammenarbeiten – schon um die Politik, deren Beratung man sich zum erklärten Ziel gemacht hat, stärker zu beeindrucken.

Eine solche positive Aufnahme ist den pointierten Empfehlungen zu wünschen, die Wissenschaftler der Akademiengruppe „Altern in Deutschland“ kürzlich unter dem Titel „Gewonnene Jahre“ präsentierten (wir berichteten). 23 Experten aus zehn Fachdisziplinen haben dafür drei Jahre lang im Auftrag von Leopoldina und Deutscher Akademie der Technikwissenschaften (acatec) zusammengearbeitet. Man habe keine neuen Daten erheben, sondern die vorhandene Forschung bewerten und miteinander verknüpfen wollen, beschrieb Leopoldina-Vizepräsidentin Ursula Staudinger die Zielsetzung. „Dabei ist es uns auch gelungen, vermeintliche Wahrheiten als Legenden zu enttarnen.“ So seien ältere Arbeitnehmer keineswegs dazu verurteilt, geistig zu stagnieren oder abzubauen. Die Stellungnahme appelliert an Politik und Unternehmen, die Bedingungen für die Weiterbildung älterer Arbeitnehmer zu verbessern. „Dabei sollten wir der beruflichen Qualifikation von Erwachsenenbildnern endlich mehr Aufmerksamkeit schenken“, forderte Staudinger, denn im Moment sei das ein völlig ungeschützter Beruf.

Die Vizepräsidentin zeigte sich besonders erfreut über das Interesse der Politik. Die Empfehlungen seien auch beim Ministerium für Arbeit und Soziales auf große Resonanz gestoßen. Trotzdem wolle man auch eine Distanz zum Souverän pflegen, der letztlich die Entscheidungen treffen müsse, betonte ter Meulen. „Wir möchten aber dazu beitragen, dass die Politiker gut entscheiden können.“

Beiträge dazu sind auch vom Projekt „Fertilität und gesellschaftliche Entwicklung“ zu erhoffen, für das sich die Berlin-Brandenburgische Akademie mit der Leopoldina zusammengetan hat. Von der Jacobs Foundation mit 1,25 Millionen Euro gefördert, wird es nach tiefer liegenden Gründen für den Bevölkerungsrückgang suchen. Erste Empfehlungen sollen 2011 vorliegen.

Ein weiteres Thema sind Infektionskrankheiten. Für sie interessiert sich die Öffentlichkeit anfallsartig, wenn gerade Gefahr von SARS, der Vogel- oder der „Schweine“-Grippe droht. „Eine unserer Aufgaben ist es, dem Interesse eine gewisse Nachhaltigkeit zu geben“, sagt Thomas Mettenleitner, Präsident des Friedrich-Löffler-Instituts, das gerade mit der Leopoldina eine Tagung zum Thema veranstaltet. Besorgniserregend sei etwa, dass von Insekten übertragene Erkrankungen, die bisher auf wärmere Regionen wie Afrika beschränkt waren, in den letzten Jahren auch in Zentraleuropa aufgetreten sind. Adelheid Müller-Lissner

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