Wissen : Nationale Akademie: So arbeitet sie

Tilmann Warnecke

Klima und Energie sowie die alternde Gesellschaft – diese Themen sollen ganz oben auf der Agenda der Naturforscher-Akademie Leopoldina in Halle stehen, wenn sie ab nächster Woche die Funktion einer Nationalen Akademie der Wissenschaften für Deutschland übernimmt. Die Leopoldina wolle sich auf die „wissenschaftsbasierte Politikberatung konzentrieren“, sagte ihr Präsident Volker ter Meulen gestern in Berlin. Bundesforschungsministerin Annette Schavan sagte, mit der Nationalen Akademie werde Deutschland künftig auf internationaler Ebene mit „einer exzellenten Stimme der Wissenschaft“ vertreten sein.

Die 1652 gegründete Leopoldina wird am Montag mit einem Festakt in Halle zur Nationalen Akademie ernannt. Um die Gründung wurde lange gestritten. Auch die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) wollte die Rolle zu übernehmen. Die BBAW soll nun wie die Akademie der Technikwissenschaften Acatech in einer herausgehobenen Rolle mit der Leopoldina kooperieren. Die BBAW wird vor allem in den Geisteswissenschaften konsultiert, die Acatech in Fragen der Technik. Die Leopoldina hat sich bisher auf die Naturwissenschaften und die Medizin konzentriert.

Für die Zusammenarbeit soll die Leopoldina ein „Koordinierungsgremium“ aufbauen, das Themen identifiziert und Arbeitsgruppen einsetzt. In dem Gremium werden je drei Vertreter der Leopoldina, der Acatech und der Akademien der Länder sitzen. Ein Vertreter der Länderakademien kommt von der BBAW. Die Leopoldina werde so eine „Plattform“ herstellen, um den nationalen Sachverstand bei der Identifizierung drängender Probleme zu bündeln, sagte Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Jan-Hendrik Olbertz. Die Forscher müssten die Politik von sich aus auf Zukunftsfragen aufmerksam machen. Der bisherige Jahresetat der Leopoldina von 1,6 Millionen Euro solle ab 2009 um 2,5 Millionen Euro aufgestockt werden, sagte Schavan. Der Bund trägt 80 Prozent der Kosten, Sachsen-Anhalt 20 Prozent.

Leopoldina-Präsident ter Meulen sagte, die Akademie beanspruche Unabhängigkeit. Man werde sich das Recht herausnehmen, aus der Politik angetragene Aufträge abzulehnen: „Wir machen nicht die Hausaufgaben, die in den Ministerien liegen gelassen werden.“ Die Akademie wolle große interdisziplinäre Themen wie die alternde Gesellschaft in zwei- bis dreijährigen Projekten bearbeiten. Gruppen zu „disziplinspezifischen Fragen“ wie Probleme des Energietransports sollten binnen eines halben Jahres Ergebnisse präsentieren. „Ad-hoc-Stellungnahmen“ wie zur Stammzellforschung könne man auch in zwei Wochen ausarbeiten. Ter Meulen kündigte an, die Leopoldina wolle eine „Hauptstadtrepräsentanz“ in Berlin einrichten. Tilmann Warnecke

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