• Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Nationalsozialismus : Falsche Helden

02.01.2013 00:00 UhrVon Alex J. Kay
Erzwungen. Wehrmachtssoldaten eines Exekutionskommandos lassen sowjetische Partisanen im Zweiten Weltkrieg ihr eigenes Grab ausheben. An den Massenverbrechen des NS-Regimes in der Sowjetunion waren auch einige Verschwörer des 20. Juli beteiligt. Bild vergrößern
Erzwungen. Wehrmachtssoldaten eines Exekutionskommandos lassen sowjetische Partisanen im Zweiten Weltkrieg ihr eigenes Grab ausheben. An den Massenverbrechen des NS-Regimes in der... - Foto: picture-alliance / akg-images

Die Ausstellung der Berliner Gedenkstätte Deutscher Widerstand beschönigt die Biografien einiger Militärs. Ihre Überarbeitung ist überfällig, fordert unser Autor.

Der im Herbst vergangenen Jahres ausgestrahlte ARD-Fernsehfilm „Rommel“ hat eine neue Diskussion ausgelöst über den Widerstand gegen den NS-Staat und seine Darstellung in heutiger Zeit. Was hat Rommel unternommen, um die Verschwörer zu unterstützen? Eine konkrete Unterstützung der Attentäter lässt sich nicht belegen. Obwohl Rommel wahrscheinlich über das geplante Attentat auf Hitler informiert war, konnte er zu keinem Zeitpunkt für den Widerstand definitiv gewonnen werden.

Für Rommel ist die Verwicklung in Kriegsverbrechen allerdings nicht belegt. Zwar stand im Sommer 1942 ein SS-Mordkommando unter Leitung des Erfinders der mobilen Gaswagen, SS-Obersturmbannführer Walther Rauff, für Palästina bereit.

In Nordafrika hatte Rauff offenbar auch Kontakt zum Stab Rommels, wahrscheinlich aber nicht mit Rommel selbst.

Angesichts der Debatte über Rommel lohnt sich ein genauerer Blick auf die politische Bildungsarbeit – und insbesondere die Erinnerung an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Eine prominente Stellung hat die Gedenkstätte Deutscher Widerstand (GDW) in Berlin, deren Dauerausstellung den „Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ porträtiert. Bei einem Besuch dieser Ausstellung fallen vor allem zwei Mängel ins Auge: Die schiefe Gewichtung der verschiedenen Themenbereiche der Ausstellung und die fehlende Kontextualisierung der Teilnahme einiger Militärs am Widerstand.

Es ist durchaus merkwürdig, dass dem gescheiterten Attentat der Militäropposition vom 20. Juli 1944 wesentlich mehr Platz in den 26 Bereichen der Dauerausstellung gewidmet wird als etwa dem gescheiterten Attentat vom 8. November 1939, obwohl letzteres schon kurz nach Kriegsanfang stattfand und der Attentäter, Georg Elser, ganz allein agierte. Liegt die schiefe Gewichtung vielleicht daran, dass sich die GDW im sogenannten Bendlerblock im ehemaligen Oberkommando des Heeres befindet? Das diente als Zentrum des Umsturzversuchs gegen das nationalsozialistische Regime am 20. Juli und war auch der Schauplatz für die Erschießung einiger am Umsturzversuch beteiligten Offiziere.

Diese Tatsache dürfte aber keine zentrale Rolle spielen, da die GDW mit „der umfassenden Dokumentation und Darstellung der ganzen Breite und Vielfalt des deutschen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus“ beauftragt ist. Sie ist also zur Erinnerung an den gesamten Widerstand gegen den Nationalsozialismus verpflichtet.

Im Hinblick auf die fehlende Kontextualisierung der Teilnahme einiger Militärs am Widerstand kann aus der GDW-Biografie des Generalquartiermeisters des Heeres, General der Artillerie, Eduard Wagner, zitiert werden: „Seit 1943 teilt Wagner die Sorge der Verschwörer um den Ausgang des Krieges und unterstützt deshalb die Vorbereitung eines Anschlags auf Hitler durch die verschiedenen Gruppen der Militäropposition.“ Diese Einstellung gilt für viele der am Attentat vom 20. Juli beteiligten Militärs. Sie haben sich beteiligt, weil sie eine deutsche Kriegsniederlage verhindern wollten, und nicht, weil sie grundsätzlich dem verbrecherischen NS-Regime feindlich gesinnt waren. Dieses Phänomen wird in der Ausstellung aber kaum thematisiert.

Sie wollen wissen, was in Berlin läuft? Gönnen Sie sich an jedem Werktag 5 Minuten Lesespaß! Geben Sie hier einfach Ihre E-Mail-Adresse an, um den Newsletter ab morgen zu erhalten.

  • Berlin to go: täglicher Newsletter
  • morgens um 6 Uhr auf Ihrem Handy
  • von Chefredakteur Lorenz Maroldt
weitere Newsletter bestellen Mit freundlicher Unterstüzung von Babbel

Tagesspiegel twittert

Folgen Sie unserer Wissen und Forschen Redaktion auf Twitter:

Sascha Karberg:


Ralf Nestler:


Jana Schlütter:


Tilmann Warnecke:


Der Tagesspiegel im Sozialen Netz

Empfehlungen bei Facebook

Weitere Themen

Dr. Dollars Diagnose und weitere Artikel aus unserem Gesundheit-Ressort.

Gesundheit