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Naturwissenschaften in der Schule : Wer nicht fragt, bleibt dumm

10.12.2012 15:34 Uhrvon
Natur und Umwelt. Viertklässler in 63 Staaten wurden getestet.Bild vergrößern
Natur und Umwelt. Viertklässler in 63 Staaten wurden getestet. - Foto: Thilo Rückeis

Vor der neuen Tims-Studie: Der Sachunterricht der Grundschullehrer wird besser, vermuten Experten – aber auch in Berlin? Das zukünftige Lehramtsstudium könnte kontraproduktiv wirken, sagen Professoren

Warum wird die Straße nass, wenn es regnet? Warum ist die Sonne heiß? Kinder bringen Grundschullehrerinnen und -lehrer mit solchen Fragen leicht in Verlegenheit. Viele kennen sich da selbst nicht so aus. Sehr zum Kummer von Politik und Wirtschaft. Angesichts des Fachkräftemangels sorgen sie sich seit Jahren um den Nachwuchs mit „MINT“-Kompetenz, also um Arbeitskräfte, die Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik beherrschen. Mit zahlreichen Bildungsreformen und Initiativen von der Kita bis zur Uni will man den bei deutschen Schülern und Studierenden weniger beliebten Wissensgebieten aufhelfen.

Wie sich deutsche Viertklässler in Mathematik und den Naturwissenschaften im internationalen Vergleich schlagen, wird am morgigen Dienstag bekannt.

Dann erscheint neben der internationalen Iglu-Lesestudie die Tims-Studie (siehe Kasten). Im vergangenen Jahr wurden dafür 600 000 Schüler in 63 Staaten im Rechnen, Messen, in Geometrie, Biologie, Physik und Geografie getestet.

Bei der Tims-Studie vor vier Jahren hatten die deutschen Schüler die Fachwelt mit ihren recht passablen naturwissenschaftlichen Fähigkeiten überrascht. Denn die naturwissenschaftlich-technische Ausbildung angehender Grundschullehrer fristet an der Uni meist ein Schattendasein. Und als Teil des Sachunterrichts scheinen die Naturwissenschaften bei den Lehrern weniger beliebt. Gucken die Schüler vielleicht einfach gute Wissenschaftssendungen oder lesen gute Sachbücher?, fragten sich die Experten.

Jedenfalls lagen die Leistungen der deutschen Viertklässler in den Naturwissenschaften signifikant über dem OECD-Schnitt. Die Bildungsforscher stellten auch fest, dass die deutschen Schüler in allen getesteten Bereichen gut abschnitten, also auf einem breiten Fundament stehen. Allerdings erreichte ein Viertel nur die zweite Kompetenzstufe, darunter überproportional viele Schüler mit Migrationshintergrund. Und ein erheblicher Abstand bestand zwischen dem deutschen Schnitt und dem der Spitzenstaaten Singapur, Japan oder England.

Konnte Deutschland an seinen Problemen arbeiten und besser werden? „Ich hoffe es“, sagt Hilde Köster, Professorin für Grundschulpädagogik im Lernbereich Sachunterricht an der FU Berlin. Das Bewusstsein für das Thema sei gewachsen, immer neue SchülerLabs und ScienceCenter seien entstanden, viele Lehrer arbeiteten mit dem Sinus-Programm. Alle Länder haben die Lehrpläne für den Sachunterricht verändert. Oft haben sie sich dabei am „Perspektivrahmen“ der Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts orientiert, der schon vor zehn Jahren Ziele und Inhalte des Sachunterrichts knapp beschrieben hat.

Doch inwiefern sich die Anstrengungen im Unterricht wirklich niederschlagen, können Schulforscher wie Köster kaum sagen. Studien zeigen, dass die Schülerleistungen stark von der Fachkompetenz der Lehrkräfte abhängen. Sachunterricht wird aber oft fachfremd unterrichtet. Denn in den Ländern ist das Studium des Sachunterrichts neben den Kernfächern Deutsch und/oder Mathematik oft gar nicht oder nur in sehr geringem Umfang vorgeschrieben.

Zu den Ländern, in denen der Sachunterricht aktuell sogar geschwächt wird, könnte bald auch Berlin gehören, befürchten Köster und ihr Kollege von der Humboldt-Universität, Detlef Pech: „Die Vorschläge der Baumert-Kommission sind kontraproduktiv“, sagt Pech. Die Senatsverwaltung dagegen teilt auf Anfrage mit, der Sachunterricht werde damit gestärkt. Unter dem Vorsitz des Bildungsforschers Jürgen Baumert hatte unlängst eine Expertenkommission dem Senat Empfehlungen zur Lehrerbildung gemacht.

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