Wissen : Neandertaler drang bis Sibirien vor

Die Neandertaler sind offenbar viel weiter Richtung Osten vorgedrungen als bisher angenommen: Die prähistorischen Menschen lebten auch in Sibirien, wie aus einer Studie des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie hervorgeht, die im Wissenschaftsmagazin „Nature“ online veröffentlicht wurde. Bisher waren die Überreste der vor etwa 28 000 Jahren ausgestorbenen Hominiden nur im Raum zwischen Spanien und Usbekistan gefunden worden. Die aktuellen Forschungsergebnisse erweitern das Verbreitungsgebiet des kleinen und stämmigen Neandertalers um rund 2000 Kilometer nach Osten. Der bislang östlichste Fund waren Knochenreste eines acht- bis zehnjährigen Jungen, die an der usbekischen Grenze zu Kirgistan entdeckt wurden.

Die neuen Erkenntnisse sind das Resultat neuer Untersuchungsmethoden. Der Leipziger Anthropologe Svante Pääbo und seine Kollegen verglichen DNS-Proben von Knochen aus den Altai-Bergen im Süden Sibiriens mit DNS-Proben aus Europa. Dafür entnahmen sie nur winzige Stücke (rund 0,2 Gramm schwer) aus den kostbaren Fossilien, um sie nicht zu beschädigen. Sie untersuchten mitochondriale DNS – Erbinformationen aus jenen Zellteilen, die für die Energieversorgung zuständig sind.

Wissenschaftler waren sich lange Zeit uneinig, ob die entdeckten Überreste aus Zentralasien und Sibirien zu den Neandertalern oder zum modernen Menschen gehörten. Pääbos Veröffentlichung beendet diese Diskussionen nun. In seiner Studie bestätigt er, dass das Erbgut der rund 40 000 Jahre alten Fossilien aus der sibirischen Okladnikow-Höhle mit der des europäischen Neandertalers weitgehend übereinstimmt. AFP

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