Neonatologie : Brutkästen können den Herzschlag von Babies verändern

Können die elektromagnetischen Felder der Motoren von Brutkästen Auswirkungen auf die Gesundheit der Babies haben?

Katherine Sanderson

Brutkästen, die für frühgeborene Kinder genutzt werden, verursachen elektromagnetische Felder, die den Herzrhythmus der Babies verändern, fanden italienische Wissenschaftler heraus.

Carlo Bellieni und seine Kollegen von der Universität Siena überwachten die Herzfrequenz von 43 Neugeborenen, die in einem Brutkasten versorgt wurden. Sie maßen die Herzfrequenzvariabilität der Babies, wenn der Brustkasten an- bzw. abgeschaltet war.

Das menschliche Herz schlägt nicht ständig mit derselben Frequenz, sondern eher schneller oder langsamer beim Ein- oder Ausatmen und unter dem Einfluss hormoneller Veränderungen. Diese Variabilität ist gesund und kann als Hinweis darauf gesehen werden, wie gut das Nervensystem arbeitet. Beim Erwachsenen gilt eine niedrige Herzfrequenzvariabilität als Hinweis auf das Risiko einer Herzerkrankung.

Bellieni und seine Kollegen fanden heraus, dass die Babies einer elektromagnetischen Strahlung von 8.9 Milligauss ausgesetzt sind, wenn der Brutkasten angeschaltet ist (die normale Hintergrundstrahlung beträgt etwa 1 Milligauss), wodurch ihre Herzfrequenzvariabilität abnahm und auf die Hälfte des Ausgangswertes fiel. "Das ist überhaupt nicht gut", sagt Bellieni. Die Ergebnisse wurden in Fetal and Neonatal Archives of Disease in Childhood (1) veröffentlicht.

Bellieni möchte Eltern nicht beunruhigen: "Für das Überleben frühgeborener Kinder brauchen wir Brutkästen", sagt er. "Brutkästen sind für diese Kinder notwendig, und bislang wurde keine echte Korrelation mit gesundheitlichen Problemen gezeigt." Er hofft jedoch, Verbesserungen an Brutkästen zu bewirken, damit sie so sicher wie möglich werden.

Bad Vibrations

Um zu überprüfen, dass tatsächlich das elektromagnetische Feld und nicht der Lärm oder die Vibrationen des Motors schuld sind, teilte Bilieni das Experiment auf und simulierte bei 16 Neugeborenen Lärm und Vibrationen ohne einen elektrischen Motor, der ein elektromagnetisches Feld produziert. Bei diesem Experiment zeigte sich keine Veränderung der Herzfrequenzvariabilität.

Die Forscher sind sich nicht sicher, warum dies so ist. Die Weltgesundheitsorganisation merkt an, dass elektromagnetische Strahlung von mehr 1 Gauss Nerven und Muskeln anregen und Veränderungen im Zentralnervensystem herbeiführen kann. Bei geringerer Strahlenbelastung sind die Dinge jedoch weniger eindeutig. Mehrere epidemiologische Studien lassen vermuten, dass Leukämie im Kindesalter häufiger in Haushalten auftritt, die Magnetfeldern von mehr als 3 Milligauss ausgesetzt sind, sagt Sander Greenland, Epidemiologe an der University of California in Los Angeles. Der Grund dafür ist jedoch unbekannt und hat möglicherweise nichts mit elektromagnetischer Strahlung zu tun. Ungeachtet der Kontroverse meint Greeenland, die dauerhafte Exposition Neugeborener gegenüber Levels von etwa 10 Milligauss könnte ein Grund zur Besorgnis sein.

Raum für Verbesserungen

Die abrupte Veränderung der Herzfrequenzvariabilität, wenn der Brutkasten an- bzw. abgeschaltet wird, ist besorgniserregend, sagt Cynthia Bearer, Kinderärztin an der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio. Etwa 10% aller Babies werden zu früh geboren, sagt sie, und die meisten müssen zumindest einige Zeit im Brustkästen verbringen. Veränderungen im Nervensystem, wie sie durch Veränderungen der Herzfrequenzvariabilität hervorgerufen werden, werden zum Beispiel verdächtigt, am plötzlichen Kindstod beteiligt zu sein, was jedoch bislang nicht bewiesen ist. "Wir wissen, dass Frühgeborene ein höheres Risiko tragen, am plötzlichen Kindstod zu sterben. Könnte der Grund in der Strahlenexposition liegen?", fragt Bearer.

Brutkästen können verbessert werden, sagt Billieni. Frühere Arbeiten haben gezeigt, dass Babies durch die Verwendung ferromagnetischer Materialien vor der vom Motor ausgehenden Strahlung geschützt werden können.

Die Verbesserungen sind einfach durchzuführen und die Sache wert, sagt Alan Preece, Medizinphysiker an der Universität Bristol, Großbritannien. Die Studie verdeutliche ein Problem, das weiterer Forschung bedarf. "Wir verstehen die Mechanismen von niedrigfrequenten Magnetfeldern nicht wirklich", sagt er, die Auswirkungen auf alles von der Genexpression bis zur Leukämie haben könnten.

(1) Bellieni, C. V. et al. Arch. Dis. Child. Fetal. Neonatal Edn doi:10.1136/adc.2007.132738 (2008).

Dieser Artikel wurde erstmals am 1.5.2008 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2008.790. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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