Neubau-Pläne : Charité-Chef: Unsere Planungen sind solide

18.06.2009 00:00 UhrVon Hartmut Wewetzer
282905_0_b75e4ef4.jpg Foto: Thilo Rückeis
Kämpferisch. Charité-Chef Einhäupl verteidigt die Pläne der Uniklinik. - Foto: Thilo Rückeis

Charité-Vorstandschef Karl Max Einhäupl ist empört. „Wir weisen strikt den Vorwurf zurück, dass die Charité-Leitung kein schlüssiges Gesamtkonzept vorgelegt hat“, sagte Einhäupl dem Tagesspiegel.

„Der Vorstand lässt sich nicht vorführen.“ Die Kritik an der Leitung der Charité war nach der Aufsichtsratssitzung am Montag lautgeworden.

Finanzsenator und Aufsichtsratsmitglied Ulrich Nußbaum lehnt das Konzept der Charité ab und gibt dem Vorstand des Klinikums „bis spätestens Frühherbst“ Zeit, neue Planungen für einen wirtschaftlicheren Betrieb der vier Charité-Standorte und eine stärkere Zusammenarbeit mit dem landeseigenen Vivantes-Krankenhauskonzern vorzulegen.

„Wir gehen davon aus, bis 2011 einen ausgeglichenen Wirtschaftsplan mit einer schwarzen Null vorlegen zu können“, sagte Einhäupl. Das Defizit der Uniklinik von 56 Millionen Euro im Jahr 2008 habe der neue Vorstand, der erst seit September 2008 im Amt sei, nicht zu verantworten.

„Die Charité kann wirtschaften und wird das zeigen. Unser Planungen auch im Sinne des Gesamtkonzepts sind solide.“

Auf wenig Gegenliebe bei Finanzsenator Nußbaum und anderen Politikern im Abgeordnetenhaus stößt der mit 347 Millionen Euro veranschlagte Neubau, den die Charité auf dem Campus Mitte in Nachbarschaft des renovierungsbedürftigen Bettenhochhauses errichten will. „Die Politik muss sich entscheiden, wie viel sie weiter in die Universitätsmedizin investieren will oder kann“, sagte Einhäupl. „Das grundsätzlich der Bedarf besteht, ist ja bereits durch den vom Parlament verabschiedeten Masterplan anerkannt.“

Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner befürworte den Neubau, „wenn auch mit einer Verzögerung um 1,5 bis zwei Jahre“. Natürlich habe die Charité Verständnis für die schwierige Finanzlage des Senats. Aber das könne nicht bedeuten, dass die Führung der Charité für alles verantwortlich gemacht und ständig zu neuen Planungen aufgefordert werde.

Einhäupl befürchtet, dass die Politik über den Umweg einer Grundsatzkritik an der Charité die Standortdebatte wiederbeleben will – also die Frage, ob das zur Charité gehörende Klinikum Benjamin Franklin in Steglitz dichtgemacht werden sollte. Der Charité-Vorstand hält an den drei Hauptstandorten Mitte, Wedding (Virchow-Klinikum) und Steglitz weiter fest. Die Aufgabe eines der drei Standorte wäre „aus wissenschaftspolitischen Gründen falsch“, sagt Einhäupl. „Diese Aussage wiederholen wir seit Monaten wie ein Mantra.“

In Bezug auf die Zusammenarbeit mit Vivantes gebe es klare Absprachen zwischen den Krankenhäusern, die gemeinsam mit den drei zuständigen Senatoren getroffen worden seien. Geplant seien erste Schritte bei der Einrichtung eines gemeinsamen Labors und Einkaufs. Das Ziel sei eine gemeinsame GmbH in diesem Bereich. „Wenn uns Herr Nußbaum hier Unverbindlichkeit vorwirft, dann muss ich diesen Vorwurf leider zurückgeben, denn wir sind bereit, uns an die Vereinbarungen zu halten.“

Eine völlige Verschmelzung von Charité und Vivantes hält Einhäupl nicht für sinnvoll. Dazu seien beide zu verschieden. Die Charité-Führung will auch künftig für ihr Gesamtkonzept – drei große Standorte, nach Möglichkeit ein Neubau in Mitte – kämpfen. „Wir werden keine weiße Fahne aus dem Fenster hängen“, sagte Einhäupl.

Heute will die Charité die Beschlüsse des Aufsichtsrats und ihre Position vor der Presse deutlich machen.

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