Neue Außenpolitik : Deutschlands Schaufenster

Die Bundesregierung will weltweit Zentren für deutsche Wissenschaft gründen. Die deutsche Spitzenforschung begrüßt das Berliner Engagement. Davon soll nicht nur Deutschland profitieren.

Amory Burchard
Max-Planck Foto: ddp
Am Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg wir eine Gensequenz begutachtet. Weltweit werden die schlauesten Köpfe für...Foto: ddp

Die Bundesregierung will weltweit „Deutsche Wissenschaftszentren“ gründen. „Sie sollen als Schaufenster für die deutsche Forschung dienen“, heißt es in einem Strategiepapier der Bundesregierung, das dem Tagesspiegel vorliegt. Die „Strategie zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung“ soll am Mittwoch im Kabinett beschlossen werden.

Die Wissenschaftszentren, in denen sich Forschungsorganisationen wie die Max- Planck-Gesellschaft gemeinsam mit Fördereinrichtungen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) präsentieren sollen, sind Teil einer neuen Wissenschaftsaußenpolitik. Für Zentren in Moskau und Delhi gebe es bereits konkrete Pläne, heißt es im Bundesforschungsministerium (BMBF). Dies seien Standorte, an denen die deutsche Wissenschaft und Forschung bislang keine „sichtbare und attraktive Präsenz“ hätten.

„Die dritte Säule der Außenpolitik muss die Wissenschaftspolitik werden“

Zu den Zielen der Internationalisierungs-Strategie gehört es, mehr Forscher aus aller Welt nach Deutschland zu holen und den Rückgang ausländischer Investitionen in Forschung und Entwicklung zu stoppen. Gleichzeitig sollen deutschen Wissenschaftlern bessere Chancen bei der Vergabe von EU-Geldern eröffnet werden. Arbeitstitel der Zentren ist dem Vernehmen nach „Deutsches Haus“. In Tokio werde überlegt, gemeinsam mit dem Goethe-Institut Kultur und Wissenschaft unter einem Dach zu präsentieren.

Entwickelt wurde das Konzept vom BMBF, vom Auswärtigen Amt (AA) und vom Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). „Die dritte Säule der Außenpolitik muss die Wissenschaftspolitik werden“, sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan im Vorfeld.

Ausländische Spitzenforscher sollen nach ihrem Forschungsaufenthalt in ihre Heimat zurückkehren

Deutschland soll nicht nur für Forscher aus den Wissenschaftsnationen USA und Japan sowie aus forschungsstarken Schwellenländern wie China und Indien attraktiver werden. Vielmehr setzen die Politiker auf Länder in Afrika, Lateinamerika und Asien, um zur Entwicklung von „künftigen Wissenschafts- und Wirtschaftszentren“ beizutragen. Studierende und Nachwuchsforscher aus diesen Regionen sollen Stipendien erhalten, deutsche Schulen und Hochschulen mit Bildungseinrichtungen in Entwicklungsländern kooperieren und Ausbildungsangebote exportiert werden. Wenn sich Forschungseinrichtungen und Unternehmen in Forschung und Entwicklung etwa in Umwelttechnik, Ressourcennutzung und Landwirtschaft engagierten, würde das auch Forschungsmöglichkeiten für deutsche Wissenschaftler eröffnen, heißt es.

Keinesfalls aber wolle Deutschland damit zum brain drain aus diesen Regionen beitragen; Ziel sei es, eine brain circulation in Gang zu setzen: Ausländische Nachwuchswissenschaftler und Ingenieure sollen nicht dauerhaft in Deutschland arbeiten, sondern in ihre Herkunftsländer zurückkehren – und dort weiter mit deutschen Kollegen kooperieren, möglichst in Partnerinstituten oder -unternehmen.

Peter Gruss: Science-Express steht  für eine effektive Wissenschaftsaußenpolitik

Aber auch für Indien, China und Südkorea, die bereits über starke eigene Forschungs-Infrastrukturen verfügen, ist der Zug offenbar noch nicht abgefahren. So sieht die Strategie vor, nach dem Muster des Rechtsstaatsdialogs mit China nun einen „Bildungs- und Forschungsdialog“ aufzunehmen. In Indien ist seit Herbst 2007 der Science-Express unterwegs, den Bundeskanzlerin Angela Merkel und Forschungsministerin Schavan im Herbst 2007 gestartet haben. Den Zug, in dem Beispiele deutscher Forschung und Entwicklung präsentiert werden, haben inzwischen eine Million Inder besucht.

Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft Peter Gruss sieht den Science-Express als Modell für eine effektive Wissenschaftsaußenpolitik. Nur mit einer solchen Präsenz im Ausland könne es gelingen, „deutsche Wissenschaft ins Bewusstsein des wissenschaftlichen Nachwuchses vor Ort zu bringen“, sagte Gruss dem Tagesspiegel. Auch die Gründung von Wissenschaftszentren befürwortet Gruss. Die MPG sei „sehr daran interessiert, sich erstmals gemeinsam mit anderen Forschungseinrichtungen und der High-Tech-Wirtschaft im Ausland zu präsentieren“.

Bund will „Fonds für Innovationsallianzen"

Schavan will deutsche Wissenschaftler auch über eine „internationale Forschungsagenda“ ins Spiel bringen. Berlin werbe in internationalen Gremien dafür, für Themen wie Klimawandel, Ressourcenknappheit, Infektionskrankheiten oder Migration staatenübergreifend Lösungsstrategien zu erarbeiten. Dabei könne die neue Nationalakademie eine wichtige Rolle spielen, heißt es im BMBF.

Kritisiert wird, dass Risikokapital für Firmengründungen in der Spitzentechnologie in Deutschland „deutlich schwerer zugänglich“ ist als in den USA. Gemeinsame Forschungsprojekte von Wissenschaft und Wirtschaft will der Bund mit einem „Fonds für Innovationsallianzen“ unterstützen. Die Unis sollten es deutschen Forschern, die im Ausland arbeiten, etwa durch kürzere Berufungsverfahren leichter machen, zurückzukehren. Eine gute Außenpolitik kümmert sich eben auch um die eigenen Leute in aller Welt.

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