Neue Giga-Chefin : Amrita Narlikar erforscht, wie die Uhren in Indien ticken

Die neue Chefin des Leibniz-Instituts Giga in Hamburg untersucht den Einfluss von Regionen auf die Welt.

Josta van Bockxmeer
Amrita Narlikar, neue Chefin des Leibniz-Instituts Giga in Hamburg
Amrita Narlikar, neue Chefin des Leibniz-Instituts Giga in HamburgFoto: Charlie Gray/Giga

Amrita Narlikars neuer Schreibtisch steht am „Tor zur Welt“: in Hamburg am Institut für Globale und Regionale Studien (Giga). Die Stadt mit ihrem großen Überseehafen wird sie sicher besonders inspirieren, schließlich ist Narlikar spezialisiert auf die Erforschung des Welthandels und der internationalen Beziehungen. Seit dem ersten Oktober ist sie Präsidentin des Leibniz-Instituts Giga. Die Leibniz-Gemeinschaft freut sich über eine Leitungskraft, die keinen Wunsch einer modernen Wissenschaftsorganisation offen lässt: Narlikar ist exzellent, international und weiblich. In Indien aufgewachsen, promovierte sie in Oxford und war zuletzt außerordentliche Professorin für internationale politische Ökonomie in Cambridge.

„Die intellektuelle Agenda des Giga hat mich immer angesprochen. Ich habe mich geehrt gefühlt, als mir die Präsidentschaft angeboten wurde“, sagt Narlikar. Das Giga untersucht Regionen außerhalb des Westens und entwickelt daraus globale Fragen: Wie werden Ressourcenkonflikte gelöst? Haben Demokratien noch eine Chance? Im Giga beschäftigt sich jeweils ein regionales Institut mit Lateinamerika, Afrika, Asien und Nahost.

"Befriedigend, wenn die eigene Forschung Einfluss auf die Forschung hat"

Narlikar hat schon viele internationale Gremien beraten, noch bis zum Jahr 2016 ist sie Mitglied des Weltwirtschaftsforums. In Deutschland wird sie mit dem Auswärtigen Amt und dem Hamburger Senat zusammenarbeiten. Weitere Partner, die vom Rat des Gigas profitieren könnten, sieht sie in der UN, der Welthandelsorganisation, im internationalen Währungsfonds und in der Weltbank: „Es ist sehr befriedigend, zu wissen, dass die eigene Forschung einen Einfluss auf die Politik hat“, sagt sie. Schon mancher ihrer Hinweise sei umgesetzt worden, etwa bei der Umformung der Welthandelsorganisation. „Aber aus den Diskussionen mit Politikern habe ich auch Dinge gelernt, die ich sonst nicht verstanden hätte.“

Mit ihrer Mutter hat sie ein Buch über Verhandlungskultur geschrieben

Narlikar forscht zu aufstrebenden Mächten wie Brasilien, China, Südafrika und vor allem zu ihrem Heimatland Indien. Sie fragt, wie der Aufstieg dieser Länder die internationalen Beziehungen verändert, und warum in multilateralen Verhandlungen oft Blockierungen entstehen. Zusammen mit ihrer Mutter Aruna Narlikar hat sie ein Buch über die Verhandlungskultur in Indien geschrieben, das dieses Jahr bei der Oxford University Press erschienen ist. In Indien habe man einen anderen Begriff von Zeit, wodurch in Verhandlungen oft Missverständnisse entstehen würden, ist dort zu lesen. Das Beispiel zeigt, worauf es Narlikar ankommt: Es geht darum zu analysieren, wie regional unterschiedliche Sichtweisen die Weltpolitik und die Weltwirtschaft beeinflussen können. In diesem Sinne könnte auch das Giga die Ergebnisse aus den regionalen Instituten noch stärker zu globalen Einsichten verbreiten, sagt sie.

Die neue Giga-Präsidentin stammt aus einer Wissenschaftlerfamilie. Ihr Vater und ihr Onkel arbeiten als Physiker, ihre Mutter promovierte in Literaturwissenschaft: „Meine Eltern haben mir eine analytische Herangehensweise an Probleme beigebracht, auch im täglichen Leben“, sagt Narlikar. Auch heute hat sie einen engen Kontakt zu ihren Eltern: „Sie kennen Deutschland und mögen es, also ich hoffe, dass sie mir hinterherziehen“, sagt sie. „Sobald die Familie da ist, werde ich mich mehr zu Hause fühlen.“



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