Neue Internetplattform für die Schule : Hausaufgaben kommen per E-Mail

Eine neue Internet-Plattform will Lehrer und Schüler vernetzen. Entwickelt wird sie von Studierenden der Humboldt-Universität.

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Zwei Mädchen sitzen vor einem Computerbildschirm mit Tastatur.
Kurzer Draht. Aufgaben können nach Hause gemailt werden.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Neulich wollte Tobias Hönig einer Schule sein Produkt vorstellen: das Bildungsnetzwerk „Scolibri“, das Lehrern und Schülern das Kommunizieren erleichtern soll. Im Konferenzraum fehlte allerdings ein Computer. Als der herbeigeschafft war, klappte die Internetverbindung nicht. Die mediale Ausstattung an Schulen ist oft mangelhaft – trotz Aktionen wie „Schulen ans Netz“. Doch viele Lehrer würden ihre Schüler gern digital erreichen und Administratives online erledigen, sagt Hönig. Gemeinsam mit dem Lehramtsstudenten Lukas Wandzioch von der Humboldt-Universität (HU) hat er ein Onlinenetzwerk für Schulen programmiert. Leicht bedienbar soll „Scolibri“ sein, laufen soll es ebenso auf veralteten Schulrechnern wie auf Smartphones und elektronischen Tafeln.

Scolibri ist nicht die erste Lernplattform für Schulen, aber sie ist die erste, die die Vorteile mehrerer Plattformen vereint, behauptet Hönig. Scolibri biete zum einen die klassische Organisation von Unterrichtsstoff: Jemand hat im Unterricht gefehlt und kennt die Hausaufgaben nicht? Kein Problem, die Lehrerin kann alles online stellen. Schülerinnen können nachfragen, Noten werden automatisch berechnet. Zum anderen können Schulen sich der Öffentlichkeit auf einer Profilseite vorstellen. Daneben ist Platz zum sozialen Netzwerken.

Es gibt amerikanische Programme, die Ähnliches bieten, „Edmodo“ etwa, eine Art Schülerfacebook, in dem man online Tests schreiben kann und das Eltern automatisch eine Einladung zum Schulfest aufs Smartphone schickt. Aber auf dem deutschen Markt, beim Datenschutz einer der strengsten, haben es solche Programme schwer.

In einigen Ländern ist Facebook für Lehrer verboten

Wenn Lehrer eine Ankündigung auf Facebook posten oder mit ihren Schülern bei Fragen zur Facharbeit E-Mails austauschen, ist das rechtlich problematisch. Seit Juli dürfen Lehrkräfte in Baden-Württembergs Facebook nicht mehr beruflich nutzen, weil Schülerdaten besonders geschützt werden müssen und Facebook es mit dem Datenschutz nicht so genau nimmt. In Bayern und Schleswig-Holstein gelten ähnliche Verbote. Berlin untersagt die Nutzung von Facebook nicht, fordert die Lehrer aber zur „berufsstandgemäßen Zurückhaltung“ auf, sagt eine Sprecherin der Bildungsverwaltung. Nachrichten dürften „nur zu Bildungszwecken, nicht für Freundschaften“ verschickt werden.

Auf Scolibri sollen private E-Mail-Adressen der Schüler für Lehrer nicht sichtbar sein, jeder bekommt eine Scolibri-Adresse, erklärt Hönig. Die Kommunikation solle verschlüsselt ablaufen. Außerdem werde auf Scolibri „relevant kommuniziert“, eine Chatfunktion gibt es nicht.

Ein Berliner Privatgymnasium testet die Plattform derzeit

An der Berliner Moser-Schule, einem privaten Gymnasium, wird die Plattform seit diesem Schuljahr eingesetzt. Schulleiterin Daniela Plümecke beschreibt den Umgang mit dem Netzwerk als „unkompliziert“. Den Vorteil von Scolibri sieht Plümecke darin, dass die Programmierer „das, was sie entwickeln, auf unsere Bedürfnisse abstimmen“. Schulen sollen in Zukunft pauschal 200 Euro im Monat für den Dienst zahlen, Lehrer zehn Euro, für Schüler ist es umsonst. Hönig glaubt, dass jemand, der für ein Programm zahlt, eher damit arbeitet. Das Vertrauen in kostenlose Angebote sei ohnehin gesunken, „weil keiner weiß, was dort mit meinen Daten passiert“.

Bis Ende des Jahres wird das junge Unternehmen, das eine Ausgründung der HU ist, noch durch ein Gründer-Stipendium des Bundeswirtschaftsministeriums und vom Didaktik-Lehrstuhl der HU unterstützt. Nach den Herbstferien wollen sie online gehen.

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