Neue Studie : Behinderte mehr fördern

Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden in Deutschland noch immer selten mit anderen Schülern gemeinsam unterrichtet. Eine neue Studie zeigt, dass es zu wenig Angebote an Regelschulen gibt.

Der Ausbau des „inklusiven“ Unterrichts komme insbesondere an weiterführenden Schulen nur „langsam voran“. Das ist das Fazit einer Studie des Bildungsforschers Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. 2009 wurden bundesweit 480 000 Schüler sonderpädagogisch gefördert.

Im vergangenen Jahr verpflichtete sich Deutschland im Rahmen einer UN-Konvention dazu, dass Schüler mit und ohne Behinderung in der Regel gemeinsame Klassen besuchen sollen. Noch ist laut der Studie das Gegenteil der Fall: Bundesweit gehen nur 15 Prozent der Kinder mit Förderbedarf in der Sekundarstufe I auf eine Regelschule. Der große Rest besuche gesonderte Förderschulen, heißt es. Dort würden über 76 Prozent der Schüler nicht einmal einen Hauptschulabschluss schaffen. Dabei würden Studien beweisen, dass gerade lernbehinderte Schüler in Regelklassen deutlich größere Fortschritte machten als auf Sonderschulen. Auch nichtbehinderte Schüler könnten profitieren. Sie würden bei einem inklusiven Unterricht ihre sozialen Kompetenzen stärken, ohne schlechtere Leistungen zu bringen.

In den Bundesländer sei die Situation unterschiedlich. In Schleswig-Holstein würden immerhin 40 Prozent der behinderten Schüler eine weiterführende Regelschule besuchen. In Berlin liegt der Wert ähnlich hoch. In Nordrhein-Westfalen und Hessen seien es dagegen unter zehn Prozent. In der Studie wird gefordert, dass „deutlich mehr“ weiterführende Schulen inklusive Programme auflegen müssten. Etwas positiver sehe es an Grundschulen und Kitas aus. In Kitas würden 60 Prozent der Kinder mit Förderbedarf mit anderen gemeinsam spielen und lernen. In der Grundschule sinkt die Quote auf 34 Prozent. Auch hier gibt es große Unterschiede zwischen den Ländern: Während in Bremen 90 Prozent der behinderten Schüler auf Regelgrundschulen gehen, sind es in Hamburg nur 13 Prozent. tiw

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