Neue Studie : Väter haben weniger Testosteron

13.09.2011 08:29 UhrVon Hartmut Wewetzer

Männer sind möglicherweise für ihre Rolle als Väter biologisch programmiert. Das behaupten Anthropologen der Northwestern-Universität in Evanston im US-Bundesstaat Illinois.

Die US-Wissenschaftler stellten fest, dass die Konzentration des männlichen Geschlechtshormons Testosteron deutlich sinkt, sobald ein Mann Vater geworden ist. Testosteron ist ein Sexualhormon, zu dessen Aufgaben es gehört, die Fortpflanzungschancen zu erhöhen. Es lässt Muskeln schwellen, stimuliert Sexualtrieb und Potenz und fördert ein aggressives Konkurrenzverhalten. Sinkt der Testosteronspiegel, werden Männer sanfter und sozialer.

„Vaterschaft und die Verpflichtungen durch ein Baby erfordern emotionale, seelische und körperliche Anpassungen“, sagt Lee Gettler, einer der Autoren der im Fachblatt „PNAS“ erschienenen Untersuchung.

„Unsere Studie deutet darauf hin, dass die männliche Biologie sich erheblich ändern kann, damit man diesen Anforderungen gerecht wird.“

Aus Untersuchungen an männlichen Tieren, die an der Brutpflege beteiligt sind, weiß man, dass das Testosteron in Fortpflanzungsphasen erhöht ist. Es sinkt ab, sobald sich Nachwuchs einstellt. Beim Menschen war dieser Zusammenhang vermutet, aber bislang nicht schlüssig belegt worden. Das ist nun geglückt. An der Studie nahmen 624 Männer auf den Philippinen im Alter zwischen 21 und 26 Jahren teil, deren weiteres Schicksal über viereinhalb Jahre verfolgt wurde.

Es stellte sich heraus, dass Männer mit hohem Testosteron-Spiegel mit größerer Wahrscheinlichkeit Vater wurden. Bei den Vätern sank das Testosteron dann um ein Viertel (morgens) bis zu einem Drittel (abends) ab. Männer, die sich drei Stunden oder mehr um ihr Kind kümmerten, hatten weniger von dem Hormon im Blut als Männer, die keine Zeit auf ihr Baby verwendeten. Besonders groß ist der Rückgang des Testosterons beim ersten Kind. Die Sexualhormon-Konzentration steigt nach einiger Zeit wieder.

Mit Hilfe des Testosteron-Spiegels im Blut reagiert der Körper aus Sicht der Evolution auf wichtige Bedürfnisse: er ist hoch, wenn es um Fortpflanzung geht, und wird unterdrückt, um das Gedeihen des Nachwuchses und damit dessen Überlebenschancen durch männliche Obhut zu erhöhen.

Aber auch Männer können von ihrem Vatersein profitieren, vermuten die Forscher. Verheiratete Männer und Väter sind oft bei besserer Gesundheit als Einzelgänger. „Wenn Männer niedrigere Testosteron-Spiegel haben, kann sie das gegen manche chronische Krankheiten besser schützen“, sagt Studienautor Christopher Kuzawa. Beispiele seien Prostatakrebs und erhöhte Blutfette. Hartmut Wewetzer

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