Neue Technologien in der Medizin : Programm soll Schlaganfälle vorhersagen

Hirnschläge sind die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Forscher von der Charité wollen das mit einer Software ändern.

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Ursache von Schlaganfällen sind Durchblutungsstörungen im Gehirn. Eine Software soll ihr Risiko nun besser vorhersagen.
Ursache von Schlaganfällen sind Durchblutungsstörungen im Gehirn. Eine Software soll ihr Risiko nun besser vorhersagen.Science Photo Library/Focus

„Während ich spreche, haben allein in der EU sieben Menschen einen Schlaganfall. Fünf davon könnte man verhindern“, sagte Dietmar Frey bei seinem dreiminütigen Vortrag während der Konferenz „Future Medicine“ in Berlin. Der Neurochirurg von der Charité will Leben retten, indem er mit einer Software Schlaganfälle besser vorhersagt.

In Deutschland erleiden etwa 260.000 Menschen pro Jahr einen Schlaganfall. Bei etwa 15 Prozent kommt es innerhalb eines Jahres zu einem erneuten Hirnschlag. Die Ursache der Erkrankung sind Durchblutungsstörungen im Gehirn. Allerdings bringt jeder Patient ganz eigene Risikofaktoren mit, die sich stark auf Diagnose und Therapie auswirken. Laut Frey spielen diese Kriterien im klinischen Alltag bisher jedoch kaum eine Rolle, das meiste hänge von der Erfahrung des behandelnden Arztes ab.

Schlaganfallrisiko von eins bis fünf

Freys Arbeitsgruppe am Charité-Campus Virchow arbeitet seit vier Jahren an einem Computermodell, das diese subjektive ärztliche Bewertung durch objektive Kriterien ersetzen soll. Das Team aus Medizinern, Software-Ingenieuren und Computerexperten hat einen Prototypen des Programms entwickelt. Mit der Software lassen sich erstmals auf Patienten abgestimmte Prognosen erstellen. „Wir sagen das individuelle Risiko für einen Schlaganfall voraus, indem wir die Durchblutung des Gehirns genau messen und berechnen“, sagte Frey.

Dafür nutzt das Programm Daten, die bei Schlaganfallpatienten auch bisher schon im Krankenhaus erhoben wurden. Dazu gehören Aufnahmen vom Inneren des Schädels aus dem Kernspin- oder Computertomografen. Die Software macht sich so ein Bild von der Durchblutung des Gehirns des Patienten bei verschiedenen Blutdruckwerten. Anschließend ermittelt das Programm das Risiko eines Schlaganfalls auf einer Skala von eins bis fünf und vergleicht verschiedene Therapieoptionen. Der behandelnde Arzt erhält einen Bericht mit den verschiedenen Szenarien und kann sich auf dieser Grundlage für die bestmögliche Behandlung entscheiden.

Bald soll das Programm Leben retten

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt im Rahmen seiner Gründungsoffensive GO-Bio mit 1,1 Millionen Euro. Bis Ende 2018 wollen Frey und sein Team den Prototyp der Software in klinischen Studien erproben und weiterentwickeln. Dafür wird das Programm bei Patienten eingesetzt, die eine transitorische ischämische Attacke erlitten haben, einen typischen Vorläufer eines Schlaganfalls. Davon versprechen sich Frey und seine Kollegen Einsichten, ob die von der Software empfohlene Behandlung wirklich einen Schlaganfall verhindert hätte.

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