Neue Umfrage : Eltern sind zufriedener mit der Schule

Eine neue Umfrage unter Eltern zeigt, dass die Mehrheit das Bildungswesen gerechter und Deutschland kinderfreundlicher als früher findet.

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Eltern wünschen sich mehr Ganztagsplätze an Schulen.
Eltern wünschen sich mehr Ganztagsplätze an Schulen.Foto: Armin Weigel/dpa

Über die Schulen und das Bildungssystem in Deutschland sind oft Klagen zu hören. Umso mehr dürfte es überraschen, dass die meisten Eltern inzwischen zufriedener als noch vor knapp einem Jahrzehnt sind. Sie nehmen die Schulen als gerechter war, das Land als kinderfreundlicher. Die Lehrkräfte ihrer Kinder schätzen sie wegen ihres Engagements und wegen ihrer Kompetenz. Und: Eltern fühlen sich stärker von der Schule entlastet als früher – etwa wenn es darum geht, die Kinder bei Hausaufgaben zu betreuen.

Das sind zentrale Ergebnisse einer Meinungsumfrage des Instituts „Mentefactum“, für die im Auftrag der Kindermodefirma „Jako-o“ zweitausend Eltern in Deutschland befragt wurden. „Die Meinungen der Eltern fallen in vielen Bereichen deutlich positiver aus, als man das hätte erwarten können“, sagte der Bildungsforscher Klaus-Jürgen Tillmann am Donnerstag in Berlin, als die Umfrage vorgestellt wurde. „Es zeigt sich, dass sich etwas tut.“

Viele Beispiele für die Wertschätzung

Für die Wertschätzung gibt es viele Beispiele. So bewerten die Eltern die Lehrkräfte recht positiv, im Schnitt mit der Note 2,5. Die überwältigende Mehrheit hält die Lehrkräfte für fachlich kompetent. Sie würden sich stark für eine gute Beziehung zu ihren Schülern einsetzen, seien sehr engagiert, würden die Stärken der Schüler erkennen und sie fördern. Die Schule des Kindes insgesamt wird mit der Note 2,4 sogar noch besser eingeschätzt.

Immer wieder haben Bildungsstudien gezeigt, dass in Deutschland der Schulerfolg in besonderem Maße von der sozialen Herkunft der Schüler abhängt. Das spiegelte sich in der Vergangenheit auch in der Elternmeinung wieder: die Hälfte der Befragten hielt das Bildungswesen lange für ungerecht. Jetzt hat sich die Einschätzung der Eltern gedreht: 65 Prozent sprechen von „gerechten Bildungschancen“. Insgesamt hält erstmals auch eine Mehrheit Deutschland für kinderfreundlich: Sagte das im Jahr 2010 nicht einmal die Hälfte, sind es inzwischen 62 Prozent. Der Meinungsforscher Klaus-Peter Schöppner sprach hier von einer „großen Trendverlagerung“.

Der Kita-Ausbau wirkt

Woher kommt die freundliche Stimmung? Bei der Kinderfreundlichkeit spiele sicher eine Rolle, dass der Kita-Ausbau Wirkung zeige, sagte Meinungsforscher Schöppner. Vor allem Familien mit Migrationshintergrund würden Deutschland inzwischen als deutlich kinderfreundlicher wahrnehmen, ebenso junge Eltern mit höheren Bildungsabschlüssen.

Auch andere öffentlich umstrittene Großthemen wie der Ausbau von Ganztagsschulen und die Inklusion würden von den Eltern prinzipiell unterstützt – selbst wenn es im Einzelnen durchaus kritische Punkte gebe. Eltern wollten eben durchaus eine gerechtere und inklusivere Schule, sagte die Bildungsforscherin Dagmar Killus von der Universität Hamburg.

Wie sich etwa der Ausbau der Ganztagsschulen auf die Elternzufriedenheit auswirkt, lässt sich gut an der Frage zeigen, ob sich Eltern quasi als „Hilfslehrer der Nation“ fühlen. Das haben sie früher oft beklagt. Noch 2010 sagten zwei Drittel der befragten Eltern, sie müssten vieles leisten, was eigentlich Aufgabe der Schule ist: intensiv bei Hausaufgaben helfen, schwierige Themen neu erklären. Jetzt sagen das noch 53 Prozent. Killus sagte, die gefühlte Entlastung hänge damit zusammen, dass individuelle Übungs- und Lernzeiten der Kinder an Ganztagsschulen zunehmend in den Schulalltag integriert werden. Gerieten sich Kinder und Eltern früher zu Hause beim gemeinsamen Lösen von Hausaufgaben regelmäßig in die Haare, fällt dieses Konfliktpotenzial heute weg. Tatsächlich äußern sich Eltern, deren Kinder auf Ganztagsschulen sind, in der Frage deutlich positiver als die, deren Kinder eine Halbtagsschule besuchen.

Stressbelastung bei G8 ist nicht größer

Und wie ist es mit den Aufregerthemen Inklusion und G 8/G 9? Bei der Inklusion „gibt es keine Katastrophenergebnisse“, sagte Klaus-Jürgen Tillmann. 89 Prozent der Eltern wünschen, dass ihre Kinder mit körperlich beeinträchtigen Kindern zusammen lernen, 71 Prozent halten das bei Kindern mit Lernschwierigkeiten für begrüßenswert. Geringer ist die Zustimmung bei verhaltensauffälligen Kindern (49 Prozent) und geistig behinderten Kindern (41 Prozent). Immerhin 64 Prozent berichten von zusätzlichem sonderpädagogischem Personal, wenn ihr Kind in einer Inklusionsklasse lernt.

Ebenso unaufgeregt stellt sich die Lage aus Sicht der Meinungsforscher beim achtjährigen Abitur dar – zumindest, was die Stressbelastung der Schüler angeht. Wie bei anderen Studien zeigt sich, dass Schüler aus G-8- und G-9-Bildungsgängen genau gleich belastet sind: Jeweils 80 Prozent der Eltern sagen, ihre Kinder seien genau richtig gefordert. „Wir können keine negativen Auswirkungen von G 8 erkennen“, sagte Dagmar Killus. Sie befürchtet, die Rolle rückwärts zu G 9 in mehreren Bundesländern führe eher zu „zusätzlichen Problemen“.

 Kann sich die Bildungsrepublik nun entspannt zurücklehnen? Ganz so einfach ist es nicht. Interessanterweise beurteilen die Eltern die Bildungspolitik insgesamt sehr viel negativer als die Schulen – und zwar im Schnitt mit einer 3,3. Berlin schneidet mit einer 3,9 am schlechtesten ab, Bayern mit 2,9 am besten. Der Meinungsforscher Klaus-Peter Schöppner erklärt das damit, Bildungspolitiker würden als „ideologisch“ wahrgenommen: Dass sich mit einem Regierungswechsel immer wieder die Schulpolitik ändere, stoße Eltern eher ab. Die Eltern würden hier sehr genau zwischen dem Engagement der Lehrer und den Plänen der Politiker unterscheiden. Zudem gebe es natürlich auch bei den prinzipiell positiv bewerteten Themen weiteren Handlungsbedarf. So würden sich Eltern noch viel mehr Ganztagsschulplätze wünschen.

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