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Neuer DFG-Förderatlas erschienen : Berlin ist in der Forschung Spitze

Berlin ist bundesweit Spitze in der Forschung, in keiner Region werben Wissenschaftler mehr Drittmittel ein. Das geht aus dem neuen Förderatlas der DFG hervor. Die DFG sieht positive Effekte der Exzellenzinitiative.

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Die Freie Universität ist die bestplatzierte Berliner Uni auf der DFG-Rangliste. Insbesondere in den Geisteswissenschaften ist die FU eine Hochburg. Foto: Doris Spiekermann-Klaas/Tsp
Die Freie Universität ist die bestplatzierte Berliner Uni auf der DFG-Rangliste. Insbesondere in den Geisteswissenschaften ist die...Foto: Doris Spiekermann-Klaas/Tsp

Berlin ist der Spitzenstandort der deutschen Wissenschaft. Das geht aus dem neuen „Förderatlas“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hervor, der an diesem Donnerstag veröffentlicht wurde. Die Hauptstadt liegt beim Einwerben von Drittmitteln vor München, dahinter folgt mit großem Abstand die Region Unterer Neckar, zu der Heidelberg gehört.

Berliner Forscherinnen und Forscher warben zwischen 2011 und 2013 insgesamt 724 Millionen Euro an Drittmitteln (Forschungsgeld) von der DFG ein, die Münchner knapp 644 Millionen Euro.

Die DFG vermisst mit ihrem Förderatlas alle drei Jahre die Wissenschaftslandschaft in Deutschland. Berlin hatte bei der letzten Veröffentlichung erstmals die Spitzenposition übernommen, jetzt ist der Vorsprung zu München noch einmal größer geworden. Der Atlas wertet die von der DFG eingeworbenen Drittmitteln als Hauptkriterium für die Rangliste, zeigt aber zudem eine Reihe weiterer Erfolgsfaktoren für einen Standort auf (wie etwa die Internationalität der Hochschulen). Auch bei diesen weiteren Faktoren liegen Berlin und München oft weit vorne (den gesamten Förderatlas kann man hier abrufen).

Dorothee Dzwonnek, Generalsekretärin der DFG, hob gleichwohl den Polyzentrismus als „besondere Stärke des deutschen Wissenschaftssystems“ hervor: In den Fachgebieten zeigten sich eine Reihe von hervorragenden Regionen.

Die FU liegt auf Platz 5, die HU auf Platz 9

Betrachtet man die Universitäten für sich, kommen denn auch zwei Berliner Unis unter die Top Ten. Die Freie Universität liegt dieses Mal auf Rang Fünf, ihre Professorinnen und Professoren warben 252 Millionen Euro von der DFG ein. Die Humboldt-Universität ist mit knapp 196 Millionen Euro auf Rang Neun platziert. Bei der letzten Ausgabe lagen FU und HU auf Rang Drei beziehungsweise Acht, beide Unis konnten aber die Summe der Drittmittel insgesamt steigern. Führend sind erneut die LMU München (277 Millionen Euro) und die Uni Heidelberg (274 Millionen Euro) vor der RWTH Aachen (272 Millionen Euro).

Die Technische Universität Berlin macht auf Platz 21 (gut 121 Millionen Euro von der DFG) fünf Ränge gut. Die TU ist mit der TU Dresden und den Unis Leipzig und Marburg die Hochschule, die den größten Sprung nach vorne macht, wie die DFG hervorhebt. Insgesamt hat sich gerade unter den Top Ten aber nicht sehr viel verändert: Nur die TU Dresden kommt neu dazu.

Auch in der Breite ist die Wissenschaft auf gutem Kurs

Nicht nur in der Spitze, sondern auch in der Breite sieht die DFG die deutsche Wissenschaft auf einem guten Kurs. Nie zuvor hätten sich so viele Hochschulen erfolgreich um DFG-Mittel beworben, die Bewilligungen verteilten sich auf 210 Hochschulen. Die meisten Unis seien auch breiter aufgestellt als noch zu Beginn der 2000er Jahre, heißt es. Tendenziell würden kleinere Fächer mehr Mittel einwerben als früher, während größere Fächer etwas nachlassen. Sprich: Befürchtungen, der immer härtere Wettbewerb führe an den Unis zu einer Konzentration auf wenige drittmittelstarke Fächer, hätten sich bisher nicht bewahrheitet.

Im Folgenden wichtige Befunde des Förderatlas im Überblick.

 FORSCHUNGSREGIONEN

Von den 96 untersuchten Regionen sind Berlin und München eindeutig die forschungsstärksten – das Gebiet Unterer Neckar (Heidelberg/Mannheim) auf dem dritten Rang wirbt mit gut 369 Millionen Euro nur in etwa halb so viel von der DFG ein wie die beiden Spitzenreiter.

Die forschungsstärksten Regionen in Deutschland. Grafik: Gitta Pieper-Meyer/Tsp
Die forschungsstärksten Regionen in Deutschland.Grafik: Gitta Pieper-Meyer/Tsp

Als forschungsstarke Regionen hebt die DFG zudem Aachen, Göttingen, Südlicher Oberrhein (Freiburg), Oberes Elbtal (Dresden) und Hannover hervor, die jeweils über 200 Millionen Euro Drittmittel einwerben konnten. Die zweitgrößte deutsche Stadt Hamburg fällt dagegen ein wenig ab (197 Millionen Euro DFG-Mittel) – und das, obwohl auch in der Hansestadt eine Reihe von Hochschulen und außeruniversitären Instituten angesiedelt sind.

Die meisten internationalen Forscher zieht es nach Berlin

Wie breit Berlin aufgestellt ist, zeigt sich in anderen untersuchten Kategorien. Die Hauptstadt ist ebenfalls Spitzenreiterin, wenn es um die direkte Projektförderung des Bundes geht (Berlin warb damit 806 Millionen Euro ein, München 804 Millionen; es folgt hier Hamburg mit 541 Millionen). Die Berliner Unis, insbesondere die FU und die HU, ziehen deutlich die meisten internationalen Gastwissenschaftler an. Zwischen 2009 und 2013 kamen zum Beispiel von denen von der Humboldt-Stiftung geförderten Spitzenforschern die meisten an die FU (296), gefolgt von der HU (278), der LMU München (261) und der Uni Bonn (182).

Berlin ist zudem einer der wenigen Standorte, der in allen großen Wissenschaftsgebieten (Geisteswissenschaften, Lebenswissenschaften, Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften) ein ausgeprägtes Netzwerk an forschungsstarken Hochschulen und außeruniversitären Instituten vorweist. Für Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres ist vor allem das „Miteinander der Institutionen“ ein Grund für die Stärke der Stadt. Scheeres sprach von „hervorragenden Perspektiven für die Zukunft“, etwa für die nächste Runde der Exzellenzinitiative.

München sticht insbesondere bei der Förderung durch die Europäische Union heraus. Im Rahmen des vergangenen europäischen Forschungsrahmenprogramms hat die bayrische Metropole fast 887 Millionen Euro eingeworben, 300 Millionen Euro mehr als Berlin und fast 400 Millionen Euro mehr als das erneut drittplatzierte Heidelberg/Mannheim.

EXZELLENZINITIATIVE

Die Exzellenzinitiative geht weiter - über das Wie wird politisch aber noch gestritten. In den abgelaufenen Runden des Wettbewerbs haben 45 Universitäten mindestens mit einem Vorhaben gewonnen, und sei es „nur“ eine Graduiertenschule für Doktoranden. Diese Unis dominieren auch, wenn es insgesamt um das Einwerben von Drittmitteln geht: Im Jahr 2012 strichen sie gut drei Viertel aller vergebenen Drittmittel ein.

Allein die 14 Unis, die in dieser und der vergangenen Runde des Wettbewerbs mit einem Zukunftskonzept gefördert wurden („Elite-Unis“), vereinen knapp 38 Prozent der DFG-Mittel auf sich. Die im Exzellenzwettbewerb erfolgreichen Hochschulen treten ebenso hervor, wenn es um Forschungsmittel des Bundes oder der EU geht. Von „Konzentrationseffekten zugunsten von an der Exzellenzinitiative beteiligten Universitäten“, spricht der Förderatlas denn auch.

DFG-Generalsekretärin Dzwonnek sagte, viele Ziele der Exzellenzinitiative seien bereits erreicht. Beispiel Internationalität: Bis zum Jahr 2013 kamen 4000 internationale Wissenschaftler an die ausgezeichneten Unis. An vielen Standorten seien fachliche Kooperationen zwischen Unis und Instituten entstanden, die über das frühere Maß „weit hinausgehen“. Für die Chemie und die Physik hat die DFG herausgefunden, dass die „exzellenten“ Unis nun deutlich mehr publizieren.

Der Vorsprung der Drittmittel-Hochburgen nimmt ab - etwas

Bedeutet das, dass vor allem die ohnehin schon großen Unis immer stärker werden, wie oft befürchtet wird? Dem Eindruck widerspricht die DFG. Auch kleine erfolgreiche Hochschulen profitierten. Der Abstand zwischen der ersten und der auf Rang 40 platzierten Uni (dieses Mal die Uni Halle-Wittenberg) habe sich sogar verringert: „Die Drittmittel-Hochburgen“ entfernen sich also nicht immer weiter von den kleineren Hochschulen“, heißt es. „Es ist gelungen, die Spitzen zu stärken, ohne die Breite zu schwächen“, sagte Dzwonnek.

Das Ranking der ersten 40 Hochschulen würde ohne Exzellenz-Initiative übrigens kaum anders aussehen. Die im Wettbewerb geförderten Unis seien also „ganz allgemein sehr forschungsstark und sehr attraktiv“, folgerte Dzwonnek. 

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