Neuer Präsident der Leibniz-Gemeinschaft : Leibniz "fehlt eine Null"

Die feierliche Amtseinführung des neuen Präsidenten der Leibniz-Gemeinschaft, Matthias Kleiner, geriet am Pariser Platz zu einer Demonstration des neuen Selbstbewusstseins. Der scheidende Präsident Karl Ulrich Mayer erinnerte sich an kämpferische Zeiten.

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Karl Ulrich Mayer und Matthias Kleiner stehen vor einem Fenster mit Ausblick auf das Brandenburger Tor.
Am ersten Platz des Landes. Nach vier Jahren endet die Amtszeit Karl Ulrich Mayers (rechts) als Leibniz-Präsident. Matthias...Foto: Oliver Lang/Leibniz-Gemeinschaft

Unvorstellbar, dass eine Wissenschaftsorganisation mit heute 89 Instituten, Forschungsmuseen und Infrastruktureinrichtungen um ihr Überleben kämpfen muss. Doch so hat es Karl Ulrich Mayer als Präsident der Leibniz-Gemeinschaft erlebt. Zehn Tage nach seinem Amtsantritt 2010 verlor er das Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften Geomar an die Helmholtz-Gemeinschaft. Diesen Kunstgriff der damaligen Bundesforschungsministerin Annette Schavan, die dem Land damit Spielraum gab, die Uni Lübeck zu erhalten, hat Mayer in traumatischer Erinnerung. Seine Aufgabe in den Folgejahren habe darin bestanden, „Wiederholungstäter abzuschrecken“, erinnerte sich Mayer am Donnerstag bei seiner Verabschiedung als Leibniz-Präsident in Berlin.

Selbst beim Wissenschaftsrat "gänzlich unumstritten"

Mayers Beitrag zur Selbstbehauptung der Leibniz-Gemeinschaft würdigte unter anderem Forschungsstaatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen. Das mittlerweile gewonnene Selbstbewusstsein spiegelte sich in den Panoramascheiben der Akademie der Künste am Pariser Platz, gewählt als Festort der Amtsübergabe an den neuen Leibniz-Präsidenten Matthias Kleiner. Flankiert vom Brandenburger Tor und vom Bundestag erzählte Mayer, wie es gelang, sein Haus etwa durch den Ausbau der Wissenschaftscampi in Kooperation mit Hochschulen so weit zu etablieren, dass die Rolle der Leibniz-Gemeinschaft im Wissenschaftssystem selbst aus der Sicht des Wissenschaftsrats „gänzlich unumstritten“ sei. Dem sollte nun allerdings eine stärkere finanzielle Beteiligung des Bundes an den Instituten folgen.

Nach der Exzellenzinitiative: Kleiner will "Leibniz in Universitäten" bringen

Sein Nachfolger kündigte sogleich an, wo mehr Geld vom Bund vonnöten sein wird: Kleiner will das von Mayer angedachte Programm „Leibniz in Universitäten“ auf den Weg bringen. Damit sollen Projekte aus der Exzellenzinitiative und andere zeitlich begrenzte Großforschungsvorhaben als Leibniz-Institute in ihren Unis verstetigt werden. Das dafür bislang eingeplante Budget habe ihn allerdings stutzen lassen, sagte Kleiner: „Da fehlt doch eine Null!“ Als ehemaliger Präsident der vom Bund finanzierten Deutschen Forschungsgemeinschaft sei er eben andere Summen gewohnt. Selbstbehauptung sollte also weiterhin auf dem Programm des Leibniz-Präsidenten stehen. Zum neuen Selbstbewusstsein der Wissenschaftsorganisation gehört es für Kleiner indes auch, in der Fülle der Institute und sonstigen Einrichtungen für ein neues Wir-Gefühl zu sorgen. Er wolle künftig öfter ein "Wir von Leibniz" hören, rief Kleiner der Festversammlung zu - auch wenn es weiterhin vielstimmig klinge.

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