Neuer Präsident : Ein Berliner führt die Uni Potsdam

Der HU-Wirtschaftsinformatiker Oliver Günther wird neuer Präsident der Uni Potsdam. Er hofft, die Hochschule langfristig unter die Top Ten im Deutschland führen zu können.

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Die Uni Potsdam ist die größte Hochschule Brandenburgs.
Die Uni Potsdam ist die größte Hochschule Brandenburgs.promo

Die Universität Potsdam wird künftig von einem Berliner Wirtschaftsinformatiker geleitet. Der Senat der Uni wählte am Mittwoch Oliver Günther, den Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität, zum neuen Präsidenten. Günther erhielt im ersten Wahlgang acht Stimmen des elfköpfigen Gremiums. Für seinen Gegenkandidaten, den Potsdamer Biochemiker Robert Seckler, votierten drei Senatsmitglieder. Günther wird voraussichtlich zum 1. Januar 2012 sein Amt antreten.

Oliver Günther.
Oliver Günther.promo

Die Potsdamer Senatsmitglieder entschieden sich mit Günther für den externen Bewerber für das Präsidentenamt. Der Wirtschaftsinformatiker, geboren 1961 in Stuttgart, wurde 1993 als Professor an die Humboldt-Uni berufen. Dort engagiert er sich auch im Akademischen Senat. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem IT-Strategie und Unternehmenssoftware. Vor seiner HU-Zeit forschte Günther an der University of California in Santa Barbara und in Berkeley, wo er promovierte.

Die Uni Potsdam ist mit 20 000 Studierenden und 240 Professoren die größte Brandenburgs. Die Neuwahl des Präsidenten war nötig geworden, weil die bisherige Amtsinhaberin Sabine Kunst zu Beginn des Jahres als Wissenschaftsministerin in die Landesregierung wechselte.

Günther kündigte gegenüber dem Tagesspiegel an, langfristig strebe er für Potsdam „einen Aufstieg in die Spitzenliga“ der zehn bis zwölf stärksten deutschen Universitäten an. Angesichts der Forschungsstärke der Uni und des exzellenten Umfelds sei das „im Rahmen des Möglichen“. Kurz- und mittelfristig müsse Potsdam aber erst einmal seine aktuelle Stellung unter den vierzig mittelstarken Hochschulen festigen, die auf die Exzellenzunis folgen.

Die gute Zusammenarbeit mit den drei großen Berliner Unis wolle er fortsetzen. Ihm werde daran gelegen sein, dass Potsdam in gemeinsamen Projekten „noch öfter als bisher die Sprecherrolle übernimmt“. Die Uni ist derzeit an sieben Sonderforschungsbereichen der DFG beteiligt, hat aber nur bei einem die Sprecherrolle inne.

Ohnehin ist das jüngste Abschneiden bei Forschungswettbewerben gemischt. Bei den Auszeichnungen des Europäischen Forschungsrats war die Uni erfolgreich. In der Vorrunde der Exzellenzinitiative fielen dagegen die Potsdamer Anträge durch. Und auch in der Lehre gibt es einiges zu tun. Potsdam gewann zwar Auszeichnungen in Lehrwettbewerben. Einer von Sabine Kunst geplanten großen Überarbeitung der Bachelorstudiengänge verweigerten sich die Professoren aber.

Als unmittelbar bevorstehende Aufgabe sieht Günther, „die absurden angedrohten Kürzungen abzuwenden“. Bereits in diesem Jahr musste die Uni Potsdam 4,5 Millionen Euro aus ihren Rücklagen an das Land zurückgeben. Der Haushaltsentwurf des Landes sieht für 2012 eine weitere Kürzung von 12 Millionen Euro für alle Hochschulen Brandenburgs vor, die auch in den beiden darauffolgenden Jahren wirksam werden soll. An der Uni Potsdam wird damit gerechnet, dass sie fünf Millionen Euro einsparen muss.

Gefasst machen muss sich die Uni auf strukturelle Veränderungen. Derzeit erarbeitet eine Ministeriumskommission Vorschläge, wie die brandenburgische Hochschullandschaft in Zukunft aussieht. Wissenschaftsministerin Kunst erwartet Vorschläge zu Fusionen und zur Änderung von Hochschulstandorten. Mehrfach in Brandenburg vorgehaltene Angebote werden womöglich abgebaut. Als Beispiele für solche Fächer nannte Kunst die BWL, Informatik und Jura – Fächer, die auch Potsdam anbietet.

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