• Neues Lehrerstudium in Berlin: Einheitslehrer light - wie die Unis den Kompromiss der Koalition umsetzen

Neues Lehrerstudium in Berlin : Einheitslehrer light - wie die Unis den Kompromiss der Koalition umsetzen

Monatelang hat sich der Berliner Senat um den „Einheitslehrer“ gestritten. Nun ist endlich klar, was auf die Studierenden zukommt

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Lehrerin verteilen Zeugnisse an Grundschüler
Neues Studium. Im Herbst 2015 starten Grundschullehrerinnen in Berlin in ein völlig neues Studium. Ob das Gehalt mit den höheren...Foto: dpa

Weil sich die Koalitionäre nicht einigen konnten, musste der Start der neuen Lehrerbildung musste darum um ein Jahr verschoben werden Die CDU bestand darauf, dass angehende Sekundarschullehrer anders studieren sollten als angehende Gymnasiallehrer. Als im Januar endlich das neue Lehrkräftebildungsgesetz (LBig) verabschiedet wurde, blieb für die Unis aber weiter im Nebel, wie sie den Kompromiss umsetzen sollen. Wolkig hieß es im Gesetz, die angehenden Lehrer der zwei Schultypen sollten in „zwei differenzierten Masterstudiengängen“ studieren, „die sich hinsichtlich der Schwerpunktsetzung in Fachlichkeit und Bildungswissenschaften unterscheiden“. Was das bedeutet, sollte in einer Verordnung geregelt werden.

Erst jetzt ist die „Lehramtszugangsverordnung“, die die Unklarheiten beseitigt, in Kraft getreten. Demnach sollen die Unis mindestens die Hälfte der Kurse in den Fachdidaktiken und in Pädagogik „unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Anforderungen der beiden Schularten“ anbieten, also im Umfang von 35 Leistungspunkten. Sitzen diejenigen Studierenden, die später als Sekundarschullehrer arbeiten wollen – eine kleine Minderheit – nun in eigenen Kursen? Das schließt Stefan Kipf für die Humboldt-Universität aus. Sie würden die gleichen Seminare wie angehende Gymnasiallehrer belegen, sagt der Leiter der School of Education. Aber dort müssten die Dozenten die Verordnung regelmäßig „differenzierend“ auf mögliche spezielle Anforderungen an Sekundarschullehrer umsetzen.

Die FU will darüber hinausgehen und Wahlangebote für Sekundarschullehrer schaffen, sagt die Pädagogik-Professorin Felicitas Thiel, etwa zum Umgang mit Störungen oder zur Sprachförderung. Auch diese Kurse werden aber wohl für Studierende offen sein, die später am Gymnasium unterrichten wollen – schon weil die an der Sekundarschule Interessierten keine ganzen Kurse füllen.

Hat sich dafür die langwierige Intervention der CDU gelohnt? Thiel ist jedenfalls verärgert über den Senat: „Hätten wir nicht vorgearbeitet, würden wir es jetzt nicht rechtzeitig schaffen.“ Im Herbst 2015 soll die neue Lehrerausbildung beginnen. Absolventen des bisherigen Lehrer-Bachelors sollen dann sogleich in den neuen Master wechseln. Die Universitäten sehen sich vor riesigen inhaltlichen und bürokratischen Herausforderungen.

Auch die Schulen müssen sich wappnen. Mit dem neuen Praxissemester muss zeitgleich eine ganze Studierendenkohorte betreut werden. Immerhin beteuert die Senatsverwaltung für Wissenschaft, für jeden Praktikanten würden die Betreuer an der Schule zwei Unterrichtsstunden erlassen bekommen. Für Thiel und Kipf ist das entscheidend: „Andernfalls scheitert das Praxissemester.“ Die Unis wollen die Mentoren schulen, die FU hat bereits ein Pilotprojekt.

Ob die Lehrer wegen des gleich langen Studiums fortan auch alle ein gleich hohes Gehalt bekommen, wird der Senat erst noch entscheiden, teilt die Verwaltung mit. Die ersten Referendare seien ja erst zum Schuljahr 2019/2020 fertig.

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