Neugründung in Bayern : Eine Uni für Nürnberg

Die fränkische Großstadt soll eine eigene Universität erhalten. Der Aufbau soll eine Milliarde Euro kosten und mindestens zehn Jahre dauern.

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Nebenstelle. In Nürnberg sind bislang nur Wirtschafts- und Erziehungswissenschaften der Uni Erlangen-Nürnberg angesiedelt.
Nebenstelle. In Nürnberg sind bislang nur Wirtschafts- und Erziehungswissenschaften der Uni Erlangen-Nürnberg angesiedelt.Foto: FAU/David Hartfiel


Nürnberg mit seinen mehr als 500.000 Einwohnern ist wohl die größte Stadt in Deutschland, die keine eigenständige Universität hat. In der fränkischen Stadt wird das seit Jahrzehnten beklagt, immer wieder haben die Bürgermeister deswegen bei der bayrischen Landesregierung vorgesprochen.

Jetzt endlich soll ihr Wunsch erhört werden: Entsprechende Pläne hat jedenfalls die CSU-geführte Regierung angekündigt. „Wir wollen, dass Nürnberg eine Uni bekommt“, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer nach der Kabinettssitzung in der vergangenen Woche laut „Süddeutscher Zeitung“. Finanzminister Markus Söder sprach demnach von einer „historischen Leitentscheidung, die weit über unsere Zeit hinausgehen wird“. Das Wissenschaftsministerium arbeite bereits an den Plänen.

Bei der Ansiedlung außeruniversitärer Institute ging Nürnberg immer wieder leer aus

Auf dem Papier ist Nürnberg bereits jetzt schon Unistadt: In den 1960er Jahren wurde sie zur Dependance der im 18. Jahrhundert gegründeten Friedrich-Alexander-Universität Erlangen (FAU) erklärt. „Universität Erlangen-Nürnberg“ heißt die Einrichtung seitdem offiziell. Doch in Nürnberg sind nur die Wirtschafts- und die Erziehungswissenschaftler angesiedelt. Der Großteil hingegen forscht und studiert weiter in Erlangen – Mediziner, Juristen, Geistes- und Sozialwissenschaftler, Naturwissenschaftler, ebenso gibt es eine Technische Fakultät.

Alle Vorhaben, den Nürnberger Standort zu stärken, platzten bislang – zuletzt die Idee, auf einem einem alten AEG-Gelände einen Teil der technischen Fächer anzusiedeln. Und so kommt es nicht nur, dass im viel kleineren Erlangen ein Großteil der 40.000 Studierende eingeschrieben ist, sondern auch, dass in Erlangen zahlreiche außeruniversitäre Institute eingerichtet wurden, während auch dabei Nürnberg immer wieder leer ausging.

Nun endlich soll das anders werden. Gedacht ist an eine Universität mit rund 6000 Studierenden, die tatsächlich eigenständig und nicht nur eine Einrichtung unter dem Dach der bestehenden Uni ist. Für den Neubau eines Nürnberger Uni-Campus werden nach Schätzungen von Finanzminister Söder rund eine Milliarde Euro gebraucht; dieser werde zehn bis zwölf Jahre dauern. Der Schwerpunkt in Nürnberg soll auf technischen Fächern liegen und komplementär zur Erlanger Technischen Fakultät konzipiert werden, die erhalten bleiben soll.

Der Rektor der „alten“ Uni kündigte Hilfe beim Aufbau an: Es gehe schließlich nicht um Konkurrenz, sondern um ein Miteinander.

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