Neurobiologie : Blutproteine unterstützen möglicherweise Alzheimer-Diagnose

Ein simpler Test könnte eines Tages eine frühe Behandlung möglich machen.

Erika Check Hayden

In einer Studie mit Alzheimer-Patienten wurden charakteristische Blutproteine identifiziert, welche die Diagnose der Erkrankung effektiver machen könnten. Für eine gezielte Behandlung - sowohl etabliert wie auch experimental - ist eine frühere und definitive Diagnose erforderlich.
Zurzeit leiden mehr als 5 Millionen US-Amerikaner an Alzheimer. Man nimmt an, dass eine Viertelmillion Fälle im Frühstadium jährlich nicht diagnostiziert werden.
Ärzte können die Diagnose Alzheimer nur durch den Ausschluss anderer Ursachen mentalen Verfalls stellen. Es gibt keinen Test für diese Erkrankung, bevor der Betroffene stirbt und Pathologen sein Gehirn auf für die Krankheit typische Proteinplaques untersuchen.
Diese Situation wollen Wissenschaftler ändern, indem sie Biomarker suchen - definitive biologische Signaturen der Erkrankung. Das Team um den Neurowissenschaftler Tony Wyss-Coray von der Stanford University School of Medicine in Kalifornien publizierte in Nature Medicine (1) die Entdeckung von 18 Proteinen, die zusammen einigen diagnostischen Wert für die Erkrankung haben.
Sollten die Biomarker durch weitere Tests bestätigt werden, könnte am Ende ein einfacher Bluttest stehen, durch den Ärzte die Erkrankung diagnostizieren können. Betroffene könnten dann den Ausbruch der Erkrankung durch Medikamente hinauszögern, ihre finanzielle oder Lebensplanung überdenken oder in klinische Versuchsreihen, in denen potenzielle neue Medikamente getestet werden, aufgenommen werden.

"Communicode"

Wyss-Corays Team untersuchte die Proteine in 259 Blutproben von Personen mit und ohne Alzheimer. Die Forscher untersuchten 120 Proteine, die Zellen zur Kommunikation untereinander nutzen - eine Reihe von Proteinen, die sie "communicode" nannten. Die Idee dahinter war, dass eine Veränderung dieser Proteine im Gehirn von Alzheimer Patienten auch im Blut nachweisbar sein könnte.
"Die Idee war, nach Faktoren im Blut zu suchen, die Aufschluss darüber geben können, ob im Gehirn ein Krankheitsprozess abläuft", erklärt Wyss-Coray.
Achtzehn dieser der Kommunikation dienenden Proteine wurden in verschienen Spiegeln bei Patienten mit und ohne Alzheimer gefunden. Daraufhin untersuchten die Wissenschaftler die Spiegel dieser Proteine bei 20 Patienten, deren Status als Alzheimer-Patient oder Gesunder von anderen Ärzten festgestellt worden war. Den Forschern war nicht bekannt, welche Probe zu welchem Patienten gehörte. In 18 der 20 Fälle stimmten die Diagnose und der Befund der Proteinuntersuchung überein; in einem Fall wurde die Alzheimer-Diagnose nicht durch den Befund gestützt, in einem weiteren legte der Befund eine Alzheimererkrankung nahe, ohne dass die Ärzte zustimmten.
Die Arbeit wurde von zwei Alzheimer-Gesellschaften, dem US National Institute on Aging und der Biotechnologie-Firma Satoris in Redwood City, Kalifornien, unterstützt. Wyss-Coray ist Berater von Satoris und Mitbegründer der Firma, die zwei weitere der insgesamt mehr als 25 Autoren der Studie beschäftigt.

Beste Methoden

Andere Wissenschaftler untersuchen mögliche weitere Diagnosemethoden für Alzheimer. Einige verwenden Hochleistungsverfahren der Bildgebung, um das Gehirn lebender Betroffener auf charakteristische Proteinplaques zu untersuchen. Andere haben herausgefunden, dass Proteine, die von diesen Plaques stammen, in der Rückenmarksflüssigkeit nachgewiesen werden können.
Wyss-Coray zufolge unterstützen jedoch immer mehr Studien die Idee, dass Biomarker außerhalb des Gehirns eine frühere und einfachere Diagnose ermöglichen. Blutuntersuchungen sind einfacher und potenzielle kostengünstiger als Lumbalpunktionen oder Bildgebung.
Obwohl es bei Alzheimer keine Heilung gibt, ist Wyss-Coray der Ansicht, dass es Patienten hilft zu wissen, dass sie betroffen sind.

(1) Sandip, R. et al. Nature Medicine advanced online publication DOI: 10.1038/nm1653.

Dieser Artikel wurde erstmals am 14.10.2007 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news2007.162. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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