Neurologie : Epilepsie-Medikament schützt Ratten vor Anfällen

Medikament scheint auch Monate nach dem Absetzen zu wirken.

Arran Frood

Wissenschaftler haben entdeckt, dass ein Medikament, das bereits in der Behandlung bestimmter Epilepsie-Anfälle eingesetzt wird, bei Ratten gleichfalls zukünftige Anfälle verhindern kann. Obwohl es zahlreiche Medikamente zur Kontrolle der Symptome von Epilepsie gibt, ist dies das erste Mal, dass ein Medikament die Progression der Erkrankung aufhalten kann.

Epilepsie ist eine chronische Erkrankung, die durch plötzliche, rezidivierende Anfälle charakterisiert ist, die jederzeit auftreten können. Die Krankheit manifestiert sich auf verschiedene Arten. Etwa 17 Prozent der Kinder mit Epilepsie haben so genannte Absencen - auch Petit mal genannt -, kurze Perioden, in denen sie ins Leere starren und für ihre Umgebung nicht erreichbar sind. Diese Form der Epilepsie wird häufig ererbt, und obwohl sie bei manchen Kindern von selbst wieder verschwindet, entwickeln andere ernstere Formen der Erkrankung.

Wissenschaftler der Yale University Medical School in Connecticut untersuchten Ratten, die genetisch verändert wurden, so dass sie Absencen entwickelten, sowie ein Medikament gegen Krampfanfälle mit der Bezeichnung Ethosuximid, das sich in der Behandlung der Krankheit bereits bewährt hat. Eine Gruppe von Ratten erhielt Ethosuximid ab einem Alter von 21 Tagen, bevor erste epileptische Symptome auftraten, bis zum Alter von 8 Monaten; eine zweite Gruppe erhielt das Medikament bis zu einem Alter von 5 Monaten und eine dritte Gruppe von Ratten erhielt Wasser ohne Medikament.

Die Wissenschaftler überwachten die elektrischen Entladungen im Gehirn, die mit Petit-mal-Anfällen einhergehen, mittel Elektroenzephalogrammen und schauten nach Proteinen, exprimiert von Genen, die mit der Erkrankung assoziiert sind.

Absetzen der Medikamente

Wenig überraschend zeigten nach 8 Monaten Ratten, die noch immer Ethosuximid erhielten, etwa ein Drittel weniger Entladungen als Ratten, die lediglich Wasser erhielten. Ebenso fand man weniger Proteine, die von Genen exprimiert wurden, die mit Epilepsie assoziiert sind. Die Gruppe, die Ethosuximid lediglich 5 Monate lang erhalten hatte, zeigte jedoch dieselben Effekte in nahezu gleichem Ausmaß. Die Wissenschaftler schlussfolgerten, dass die Medikation auch mehr als dreißig Tage nach Absetzen (was in etwa einem Jahrzehnt bei Menschen entspricht) immer noch Wirkung zeigte und so die Entwicklung der Krankheit unterdrückte.

"Wir waren sehr überrascht zu entdecken, dass das Medikament Anfälle auch noch unterdrückte, nachdem die Behandlung beendet worden war", erklärt Hal Blumenfeld, führender Autor der Studie. "Die gute Nachricht ist, dass das Medikament bereits angewendet wird." Die Ergebnisse wurden in Epilepsia (1) veröffentlicht.

Blumenfeld erklärt, es könnte eine kritische Phase während der Adoleszenz geben, in der sich die Erkrankung bei Menschen entwickelt. "Wenn man dieses Zeitfenster ausfindig machen und die Betreffenden in dieser Zeit schützen kann, ließe sich eine lebenslange Epilepsie verhindern", sagt er.

Gefährdete Geschwister

Brian Meldrum, Neurologe am King's College London, erklärt, dass Geschwister von Personen, die Petit-mal-Anfälle zeigen, mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent ebenfalls diese Erkrankung entwickeln. "Eine prophylaktische Therapie würden ihnen sehr helfen. Es gibt eine Gruppe Kinder, die potenziell für diese Behandlung infrage kommt."

Die Behandlung von Kindern, die noch keine Symptome gezeigt haben und die Erkrankung vielleicht nie entwickeln werden, wird jedoch kontrovers gesehen.

John Duncan, Medizinischer Direktor der National Society für Epilepsy in Großbritannien, sagt, dass "es Behandlungsstrategien verändern würde, ließe sich die Studie replizieren". Es scheint als könne eine frühzeitige Behandlung mit Antiepileptika langfristige Vorteile mit sich bringen, fügt er hinzu.

Blumenfeld schätzt, dass die prophylaktische Behandlung binnen eines Jahrzehnts allgemein zur Verfügung stehen könne.

(1) Blumenfeld, H. et al. Epilepsia 49, 400-409 (2008).

Dieser Artikel wurde erstmals am 6.3.2008 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2008.652. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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