Neurologie : Implantat verbessert die Aktivität in verletztem Gehirn

Tiefenstimulation des Gehirns birgt Hoffnung für Wachkomapatienten.

Michael Hopkins

Die Hirnfunktion eines Patienten im minimally consciuos state (MCS), einer Klassifikation des Wachkomas, konnte mithilfe elektrischer Stimulation in bestimmten Hirnregionen anhand von implantierten Elektroden verbessert werden. Dieser Erfolg wirft Fragen nach der Behandlung weiterer Patienten auf, die sich bereits seit Jahren in diesem Zustand befinden, so die Wissenschaftler.

Patienten im minimally conscious state, häufig Folge eines schweren Hirntraumas, zeigen lediglich zeitweise Anzeichen dafür, dass sie ihre Umgebung wahrnehmen. Üblicherweise wird davon ausgegangen, dass sie keine Chance auf weitere Besserung haben, wenn sich ihr Zustand nicht in den ersten zwölf Monaten der Rehabilitation bessert.

In der jüngsten Fallstudie beschreiben Neurowissenschaftler wie sie einem 38-jährigen Mann, der sich nach einem tätlichen Angriff seit mehr als sechs Jahren im MCS befand, Elektroden im Gehirn implantierten. Die elektrische Stimulation einer Hirnregion, die als Thalamus bezeichnet wird, ermöglichte es dem Patienten, Gegenstände auf Anfrage zu benennen, präzise Gesten auszuführen und ohne Hilfestellung oder Sonde zu essen. Der Thalamus ist unter anderem an der Motorik, der Erregungsleitung sowie der Übertragung sensorischer Signale beteiligt, zum Beispiel zum zerebralen Kortex, der Hirnregion, die an der Steuerung des Bewusstseins beteiligt ist.

Nicholas Schiff vom Weill Cornell Medical College in New York und seine Kollegen haben diesen Patienten ausgewählt, weil sie der Ansicht waren, dass sein Zustand auf eine Schädigung der Erregungsleitung zurückzuführen ist und trotz der schweren Schädigungen seines Kortex wesentliche Areale erhalten geblieben sind.

"Bestimmte Patientengruppen werden von dieser Errungenschaft profitieren", meint Schiff. Er fügt jedoch hinzu, dass Patienten mit diversen Hirnverletzungen keinen Nutzen von einer Elektrostimulation haben werden. "Nicht jeder Patient in einem minimally conscious state passt in das Profil", erklärt Schiff und für Neurologen ist es schwierig, die Patienten zu identifizieren, bei denen eine Besserung zu erwarten ist.

Nichts desto trotz zeigt dieser Fall, dass Patienten, bei denen man bislang davon ausgegangen ist, dass für sie keine Hoffnung mehr besteht, von weiterer Forschung profitieren könnten. "Schwere Hirnverletzungen kommen relativ häufig vor und die Zahl derjenigen, die auf diesem Gebiet forscht, ist erschreckend klein", meint Schiff. "Es ist sehr schwer, geeignete Programme für MCS-Patienten zu finden, selbst wenn sie direkt aus der Akutbehandlung kommen. Wenn sie nicht lebendig genug erscheinen und nicht mit Leuten an ihrem Bett kommunizieren und interagieren können, kommen sie direkt in ein Pflegeheim."

"Der Bericht legt nicht nahe, dass Tiefenhirnstimulation manimally conscious state ‚heilt'", sagt Paul Matthews, Neurowissenschaftler am Imperial College in London. "Auch wenn die Ergebnisse auf nur einer Patientenuntersuchung beruhen, könnte Tiefenhirnstimulation zumindest einigen Patienten im minimally conscious state helfen. Und es macht deutlich, dass auch noch Besserung erzielt werden kann, wenn die Verletzung längere Zeit zurückliegt.

Auch wenn wir nicht exakt wissen, welche Verbindungen des Gehirns wichtig sind, ist anzunehmen, dass bestimmte Verbindungen intakt sein müssen, damit Tiefenhirnstimulation von Nutzen sein kann."

Dieser Artikel wurde erstmals am 1.8.2007 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/448522a. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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