Nobelpreisträger Steven Chu : „Kernkraft für die Energiewende“

Der Nobelpreisträger und Ex-US-Energieminister Steven Chu sieht in der Kernkraft eine "Brückentechnologie". Die Kohleverstromung hält er für gefährlicher.

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Brückentechnologie. Bisher kann der Strombedarf nicht allein aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden. Trotzdem sollte man in der Übergangszeit nicht von Kernkraft auf Kohle ausweichen. Foto: dpa
Brückentechnologie. Bisher kann der Strombedarf nicht allein aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden. Trotzdem sollte man...Foto: dpa

Auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Energieversorgung, die aus erneuerbaren Quellen bestritten wird, sind Kernkraftwerke ein wichtige Stütze. Das sagte der Physiknobelpreisträger und ehemalige US-Energieminister Steven Chu am Montag in Berlin. „Jedes Land muss selbst entscheiden, ob es auf diese Technik verzichtet“, sagte er mit Anspielung auf die Energiewende in Deutschland. Doch gerade aufstrebenden Ländern wie China oder Indien würde er raten, weitere Kernkraftwerke zu errichten, solange erneuerbare Energien wie die aus Wind und Sonne nicht den Bedarf decken können.

Kohleverstromung ist aus seiner Sicht der falsche Weg. „Die Kraftwerke stoßen nicht nur viel Kohlendioxid aus, sondern auch Schadstoffe, die Atemwegserkrankungen hervorrufen“, sagte Chu. Bezogen auf die Zahl der Todesopfer pro Terawattstunde erzeugten Stroms schneide die Kohleverstromung 9000-mal schlechter ab als die Kernenergie, einschließlich des Unglücks von Tschernobyl. „Kohle ist echt gefährlich.“ Der Forscher, der im Rahmen der Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in Berlin zu Gast ist, betonte, dass eine „grüne“ Energieversorgung am Ende nur in internationaler Kooperation gelingen könne. „Europa muss eine gemeinsame Strategie finden, bei der zum Beispiel die Pumpspeicherkraftwerke in der Schweiz und Norwegen verknüpft werden mit Offshore-Windanlagen an den Küsten, wo sich der Betrieb wirklich lohnt.“

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