NS-Zeit und Stalinismus : Den kommunistischen Terror erlitten

28.02.2013 00:00 UhrVon Horst Schüler
Ort des Schreckens. Ein sowjetisches Straflager in der Region Workuta. Unser Autor Horst Schüler musste dort vier Jahre lang Zwangsarbeit leisten. Foto: picture-alliance / akg-images /
Ort des Schreckens. Ein sowjetisches Straflager in der Region Workuta. Unser Autor Horst Schüler musste dort vier Jahre lang Zwangsarbeit leisten. - Foto: picture-alliance / akg-images /

Ein Beitrag zum Streit um das Gedenken an Opfer von Nationalsozialismus und Stalinismus: Verbandsvertreter Horst Schüler erwidert dem Historiker Wolfgang Benz.

Der ehemalige Direktor des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung Wolfgang Benz hat kürzlich im Tagesspiegel zum Streit um die Deutungshoheit über die Verbrechen der NS-Diktatur und kommunistischer Regime geschrieben. Einen vom Europäischen Parlament propagierten europaweiten „Gedenktag für die Opfer aller totalitären und autoritären Regime“ lehnt Benz ab. Das „pauschale Gedenken“ nivelliere die Unterschiede zwischen nationalsozialistischer Verfolgung und kommunistischem Terror und marginalisiere damit den Judenmord wie den Genozid an Sinti und Roma.

Benz’ Standpunkt hat den Widerspruch einiger Vertreter von Opfergruppen hervorgerufen. Wir drucken im Folgenden einen Beitrag von Horst Schüler ab, dem Ehrenvorsitzenden der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e. V. (UOKG). Horst Schüler (Jahrgang 1924) wurde 1951 in Potsdam wegen Widerstands gegen die stalinistische Herrschaft in der DDR von einem sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Haft verurteilt. Bis 1955 war er in der Strafregion Workuta in der Sowjetunion inhaftiert. Nach seiner von Konrad Adenauer erwirkten Freilassung arbeitete Schüler als Journalist, war 1964 bis 1989 Redakteur beim „Hamburger Abendblatt“.

Sein Anliegen ist es, „die notwendige differenzierte Debatte über das Erinnern an zwei Diktaturen anzustoßen“. So heißt es in einem im Tagesspiegel von Wolfgang Benz erschienenen Artikel unter der Überschrift: „NS-Zeit und Stalinismus – Ums Gedenken streiten.“ Wolfgang Benz ist Historiker, emeritierter Hochschullehrer an der TU Berlin. Er war bis 2011 Direktor des Zentrums für Antisemitismusforschung und ist vielfach geehrt und ausgezeichnet worden. Ein Mann also, der hohen Respekt verdient. Das eingangs genannte Zitat ist Hinweis auf ein in diesen Tagen im Metropol Verlag erscheinendes Buch mit dem Titel: „Ein Kampf um Deutungshoheit. Politik, Opferinteressen und historische Forschung. Auseinandersetzungen um die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße.“

Der Artikel von Wolfgang Benz hat große Irritationen unter den ehemaligen politischen Häftlingen kommunistisch-stalinistischen Terrors ausgelöst. Es ist zwar stets schwierig, für eine Gruppe von Menschen zu schreiben, da wird dieser oder jener abweichender Meinung sein. Dennoch glaube ich, hier die Mehrheit der Frauen und Männer zu vertreten, die in den Kerkern kommunistischer Geheimdienste waren, zuvorderst der des sowjetischen KGB eingeschlossen dessen Strafregionen im sowjetischen Gulag.

Das vergangene Jahrhundert gilt als das Jahrhundert zweier verbrecherischer Herrschaftssysteme, deren Terror Millionen und Abermillionen vernichtete. Da war das nationalsozialistische Regime, das wie ein Giftpilz Europa überzog. Es tötete unzählige Menschen jüdischen Glaubens, Sinti und Roma sowie seine politischen Feinde. Das, was wir heute Holocaust nennen, der weder Frauen, Greise noch Kinder verschonte, war eine bislang nie da gewesene Form des Völkermordes, der in seiner eiskalten Grausamkeit in den Gaskammern einer fast industriell arbeitenden Tötungsmaschinerie glich.

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