Nützliches Nachschlagewerk : Nicht alles unbesehen schlucken

Das „Handbuch Medikamente“ der Stiftung Warentest informiert kompetent und unabhängig über 7000 verschreibungspflichtige Arzneimittel.

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Gefährliche Mischung. Alte, oft chronisch kranke Patienten bekommen meist einen regelrechten Medikamentencocktail. Stimmen ihre Ärzte die Wirkstoffe nicht genug aufeinander ab, kann es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen.
Gefährliche Mischung. Alte, oft chronisch kranke Patienten bekommen meist einen regelrechten Medikamentencocktail. Stimmen ihre...Foto: picture-alliance/ dpa

Kluge Ärzte raten ihren chronisch kranken Patienten, sich zu Spezialisten für ihre eigene Krankheit zu entwickeln. Zumindest sollten sie nicht blindlings schlucken, was ihnen verordnet wird, sondern sich vorher informieren. Die Lektüre des Beipackzettels ist da eher kontraproduktiv. Was dort alles an möglichen Schäden aufgezählt wird, dient den Firmen vor allem zur rechtlichen Absicherung und hat schon viele Patienten so verschreckt, dass sie ein lebenswichtiges Medikament gar nicht erst anrührten.

Eine bessere Informationsquelle ist ein Nachschlagewerk, das ständig aktualisiert wird und schon in 9. Auflage vorliegt. Das „Handbuch Medikamente“ der Stiftung Warentest gibt Auskunft über 7000 verschreibungspflichtige Arzneimittel, darunter 600 neue gegenüber der vorigen Auflage. „Vom Arzt verordnet – Für Sie bewertet“ lautet der Untertitel.

Das Handbuch selbst ist durchweg positiv zu bewerten. Der Text ist zwar laienverständlich geschrieben, allerdings sehr anspruchsvoll. Man braucht schon einen gewissen Bildungsgrad und ein tieferes Interesse an der eigenen Gesundheit und Krankheit, um hier nachzuschlagen. Den Autorinnen Annette Bopp und Vera Herbst stand eine lange Reihe renommierter Experten beratend zur Seite, die wissenschaftliches Niveau und Unabhängigkeit gewährleisten. Auch Ärzte nehmen das Buch gern zur Hand, wenn sie sich über Medikamente eines anderen Fachgebiets informieren wollen oder wenn es darum geht, Patienten über eine schwierige Arzneitherapie pflichtgemäß aufzuklären.

Viele Arzneimittelschäden sind nicht dem Mittel selbst, sondern falscher Anwendung zuzuschreiben

Das Handbuch ist sehr benutzerfreundlich gegliedert. Einer gründlichen Einführung ins Thema Arzneimittel folgen Kapitel über die einzelnen Organsysteme und ihre Krankheiten, angelegt nach immer dem gleichen Schema: Anzeichen und Beschwerden, Ursachen, Vorbeugung, nichtmedikamentöse Maßnahmen, Behandlung mit Medikamenten. Diese werden mit ihren Wirkungen und Nicht-Wirkungen, Neben- und Wechselwirkungen beschrieben. Detaillierte Tipps zur Anwendung sind besonders nützlich, denn viele Arzneimittelschäden sind nicht dem Mittel selbst, sondern falscher Anwendung zuzuschreiben.

In jedem Abschnitt werden auch diese wichtigen Fragen behandelt: Mit welchen Beschwerden, die während einer Arzneitherapie auftreten, muss man sofort zum Arzt? Was ist bei Kindern und Jugendlichen, bei Schwangeren und Stillenden zu beachten? Und warum leiden vor allem Ältere öfter und stärker unter Arzneimittelschäden? Die Präparate gegen eine Krankheit werden mit ihren Handels- und Substanznamen, mit Darreichungsformen, Preisen und Bewertungen in übersichtlichen Tabellen aufgelistet.

Bei den Bewertungen stützt sich das Handbuch auf das Urteil ausgewiesener Experten. Medikamente können danach „geeignet“, „auch geeignet“, „mit Einschränkung geeignet“ und „wenig geeignet“ sein. Das Wort „ungeeignet“ wäre wahrscheinlich zu prozessträchtig. Ein Register erschließt rasch den Inhalt.

Weitere Gesundheitsbücher informieren über einzelne Leiden

Wer sich umfassender über einzelne Leiden informieren möchte, findet bei der Stiftung Warentest verschiedene gleichfalls empfehlenswerte Gesundheitsbücher, etwa über Depression, Bluthochdruck, Demenz, Magen- und Darmbeschwerden. Eins davon sei kurz beschrieben: „Schmerztherapie. Was tun, wenn der Schmerz nicht nachlässt?“ (208 Seiten, 16,90 Euro).

Auf den ersten 100 Seiten kommt kein Arzneimittel vor. Dagegen wird geschildert, was man selbst gegen Schmerzen tun kann, etwa durch Bewegung und Entspannung, und welche nicht-medikamentösen Methoden nützlich sind, wie physikalische und übende Verfahren oder auch Psychotherapie. Erst dann werden die Arzneimittel gegen den Schmerz eingehend porträtiert und kommentiert. „Geben Sie niemals auf“, lautet ein Rat. „Das Arsenal der Schmerztherapeuten umfasst eine Vielzahl sehr wirksamer Behandlungsmethoden.“
Stiftung Warentest (Hrsg.): Handbuch Medikamente. 9. aktualisierte und erweiterte Auflage, Berlin 2013. 1472 Seiten, 49,90 €.

Das Handbuch Medikamente der Stiftung Warentest.
Zum Nachschlagen. Das Handbuch Medikamente der Stiftung Warentest.Foto: promo

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