Numerus clausus : Hohe Hürden für Berliner Studienanfänger

Zwar werten Hochschulen bei der Vergabe von Studienplätzen inzwischen auch andere Kriterien. Doch die Abiturnote spielt immer noch die entscheidende Rolle. Wie hoch der NC an Berlins Unis liegt.

Anja Kühne,Tilmann Warnecke
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Run auf Studienplätze. Der Andrang auf Berliner Hochschulen ist besonders groß - es gilt daher seit Jahren ein flächendeckender...Foto: Thilo Rückeis

Welchen Durchschnitt mussten in diesem Jahr Abiturienten haben, um an einer Berliner Hochschule studieren zu können? Gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften war es zum Wintersemester schwer, einen Studienplatz zu bekommen, wie eine Umfrage des Tagesspiegels unter den Unis ergibt. An der Freien Universität mussten Abiturienten etwa in der Publizistik einen Schnitt von 1,3 vorweisen, für die Kulturwissenschaften an der Humboldt-Uni eine 1,5.

Für Medizin an der Charité brauchte man mindestens eine 1,6

Zwar werten Hochschulen inzwischen auch andere Kriterien, wenn sie ihre Plätze vergeben – etwa, wie Bewerber in einem Auswahlgespräch abschneiden. Doch die Abiturnote spielt immer noch die entscheidende Rolle: Wer bei den anderen Kriterien hervorragend abschneidet, kann oft nur Zehntel wettmachen. Ein gutes Beispiel ist die Charité. Die Klinik lädt Bewerber zum Gespräch und vergibt Bonuspunkte, wenn sie Naturwissenschaften im Abitur belegt haben. Gleichwohl mussten Bewerber mindestens einen Notenschnitt von 1,6 mitbringen, um einen Platz zu bekommen: „Wer darüber lag, hatte selbst dann keine Chance, wenn er alle Bonuspunkte für sich verbuchen konnte“, heißt es. In der Zahnmedizin lag der Mindestschnitt bei 2,0.

Den schärfsten Numerus clausus an der FU gab es nach der Publizistik bei den Politologen: Dort liegt der NC bei 1,6. In den besonders nachgefragten Fächern lag er etwas niedriger – ein mittelprächtiges Abi reichte aber längst nicht aus. Wer BWL studieren wollte, musste eine 1,8 mitbringen, für Deutsche Philologie eine 1,9. Für Jura reichte eine 2,2. Die Nachrückverfahren sind an der FU fast abgeschlossen, „die Chancen für Bewerber, jetzt noch einen Studienplatz zu bekommen, liegt annähernd bei Null“, heißt es.

In den Geisteswissenschaften ist der Numerus Clausus besonders hoch

An der HU war die Auswahl auch in Deutsch und Sozialwissenschaften (je 1,6) hart – sowie in vielen anderen Geisteswissenschaften wie Kunstgeschichte, Philosophie, Englisch und Ethnologie (je 1,7). Für die beliebtesten Fächer Jura und BWL war die Hürde mit 1,9 ebenfalls hoch. In neun Fächern bekamen dagegen alle Bewerber einen Platz, darunter Evangelische Theologie, Chemie, Physik und Informatik. An der HU sind die Nachrückverfahren inzwischen abgeschlossen.

Am höchsten an der TU war die Hürde in Biotechnologie mit 1,6 und im Master Kommunikation und Sprache. Im Master Bildungsmanagement und im Master Physikalische Ingenieurwissenschaft liegt der NC bei 1,7. Etwa die Hälfte der Masterstudiengänge der TU ist mit einem NC belegt. Den größten Ansturm verzeichnete die TU bei den Wirtschaftsingenieuren: Auf 240 Plätze kamen 1900 Bewerber, der NC lag bei 1,8. Einen großen Zulauf verzeichnete auch der Bachelor Kultur und Technik: Hier bewarben sich 1100 Kandidaten auf 120 Plätze, der NC lag bei 1,9. An der TU können noch einige Dutzend Bewerber hoffen, auf freie Plätze im Losverfahren zu kommen.

An der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, Berlins größter FH, war es am schwierigsten, in das Bachelorfach Wirtschaftskommunikation zu kommen. Der NC lag bei 1,3, an der Hochschule gingen 1433 Bewerbungen für 40 Plätze ein. Ein sehr gutes Abitur brauchten Bewerber auch für die Fächer International Business (1,4) sowie Life Science Engineering, Maschinenbau und Internationale Medieninformatik (je 1,5).

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