Wissen : Nur wer Nachteile fürchtet, ist bereit zu handeln

Tests mit Studenten zeigen: Auf freiwilliger Basis lassen sich Klimaziele kaum erreichen

Roland Knauer
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Dänisches Roulette. Ob der Gipfel in Kopenhagen ein Erfolg wird, hängt davon ab, wie viel die Teilnehmer einsetzen. Foto: ddpddp

Das Ergebnis seines Klimaversuchs frustriert Manfred Milinski vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön doch erheblich. Mit seinem Kollegen Jochem Marotzke vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie hat der Forscher Studentengruppen in Computerprogrammen durchspielen lassen, ob sie gemeinsam ein Klimaziel erreichen können. Obwohl jeder Student dabei bares Geld gewinnen konnte, schaffte das nur jedes fünfte Team. Mit Blick auf den Klimagipfel in Kopenhagen folgert Marotzke: „Nur wer schwere persönliche Nachteile fürchtet, engagiert sich beim gemeinsamen Klimaschutz.“ Von den dramatischen Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Hab und Gut müssten einzelne Menschen und Nationen noch überzeugt werden.

Im Experiment wollte Milinski testen, ob kleine Gruppen aus jeweils sechs Studenten es schaffen, freiwillig eine festgelegte Summe für den Klimaschutz zu sparen. Jeder Teilnehmer hat dabei zunächst 40 Euro auf dem Konto. In jeder der insgesamt zehn Runden kann er davon vier, zwei oder gar keinen Euro in den Spartopf geben. Dabei weiß er nicht, was die Kollegen zahlen, erfährt aber nach jeder Runde, wie viel Geld bereits in der Kasse ist. Haben die sechs Studenten nach der zehnten Runde mindestens 120 Euro in der gemeinsamen Kasse, ist das Klimaziel erreicht. Jeder Student bekommt dann den Betrag in echten Euro ausgezahlt, den er noch auf seinem Konto übrig hat.

Zahlt also jeder Student in den Spielrunden insgesamt 20 Euro ein, kann er hinterher 20 Euro Gewinn einstreichen. Das klappt aber nur, wenn alle mitspielen. Erreicht die Gruppe dagegen das Klimaziel nicht, verliert jeder Student mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die gesamte Summe, die er noch auf seinem Konto hat.

Insgesamt nahmen 30 Gruppen an dem Test teil. Den ersten zehn wurde vorab mitgeteilt, dass ihr Risiko für einen Verlust bei lediglich zehn Prozent liegt, die Chance für eine Auszahlung des eigenen Kontos folglich sehr groß ist. Wer von den Probanden nichts einzahlt, kann also laut Statistik dennoch mit durchschnittlich 36 Euro rechnen, die er am Ende kassieren kann. Weiteren zehn Gruppen wurde ein Verlustrisiko von 50 Prozent vorausgesagt, den restlichen zehn Gruppen sogar 90 Prozent. Bei diesem letzten Drittel stehen vier Euro statistischer Gewinn bei Verweigerern des freiwilligen Beitrags 20 Euro sicheren Gewinns gegenüber, sofern jeder seinen Teil beiträgt.

Diese Rechnung konnte jeder Student nachvollziehen. Prompt wurde das Klimaziel von allen zehn Gruppen verfehlt, die nur zehn Prozent Verlustrisiko hatten. Das entspricht etwa der Wahrscheinlichkeit, mit der heute einzelne Personen mit Nachteilen aus dem Klimawandel rechnen, erklärt Marotzke den Zusammenhang mit dem echten Klima.

Freiwillige Beiträge werden demnach den Klimawandel nicht aufhalten können. Aber auch von den zehn Gruppen mit 50 Prozent Verlustwahrscheinlichkeit erreichte nur eine das Sparziel. Besonders enttäuscht ist Milinski von jenen Gruppen, denen mit 90 Prozent ein ähnlich hohes Verlustrisiko drohte, wie der Klimawandel in der Realität bringen dürfte: Nur fünf dieser zehn Gruppen schafften das Klimaziel.

„Dabei weiß jeder der Studenten, dass es sich lohnt, 20 Euro zu zahlen und so das gemeinsame Ziel zu erreichen“, sagt Milinski. „Es ist eben verlockend, andere einzahlen zu lassen. Und wenn das die Mehrheit denkt, dann klappt es nicht.“ Anhand dieses Ergebnisses schließen die Wissenschaftler, dass nur verbindlich festgelegte Ziele den Klimawandel eindämmen können, freiwillige Vereinbarungen hingegen führen kaum zum Erfolg. Roland Knauer

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