Paläontologie : Großer Vogel auf flinken Füßen

Im Norden Patagoniens ist ein prähistorischer, fleischfressender "Terrorvogel" entdeckt worden. Das riesige Tier hatte einen rekordverdächtig großen Kopf - doch es konnte seiner Beute trotzdem schnell hinterher jagen.

Helen Pearson

Die fossile Entdeckung ist das größte dokumentierte Beispiel einer Gruppe furchterregender Vögel namens Phorusrhacidae (Lumpenträger) - ein flugunfähiger Fleischfresser der vor 60 bis vor zwei Millionen Jahren Südamerika durchstreifte. Die Vögel verdienten sich den Spitznamen "Terrorvögel" durch ihr imposantes Aussehen und ihren raubtierartigen Gebiss. Sie mit ihren drei Metern Körpergröße überragten sie die heutigen Straußenvögel deutlich. Außerdem hatten sie einen gewaltigen hakenförmigen Schnabel - vermutlich zum Aushöhlen der Beute.

Phorusrhacidae waren die dominantesten Raubtiere in Südamerika und besetzten eine Nische, die in der restlichen Welt üblicherweise von Raubkatzen, Hunden oder anderen Säugetieren ausgefüllt wurden. Sie entwickelten sich, als der Kontinent noch weitgehend von den restlichen Landmassen der Welt isoliert war. "Sie waren wie ein Dinosaurier ohne Schwanz und wurden zum Mega-Raubtier des Kontinents", sagt Luis Chiappe vom Natural History Museum in Los Angeles, Kalifornien.

Maximale Körpergröße

Das jetzt gefundene 14 bis 15 Millionen Jahre alte argentinische Fossil ist deswegen ungewöhnlich, weil der ganze Schädel unversehrt geblieben ist, wie die Forscher in der Zeitschrift "Nature" berichten. Chiappe und seine Kollegin, Sara Bertelli stellten fest, dass sein Kopf, bei einer Größe von mehr als 70 Zentimetern, um 10% größer und auch kantiger ist, als die anderen gefundene Phorusrhacidae-Arten.

Chiappe sagt, dass die Entdeckung auch die bisherigen Theorien über die Art der Fortbewegung der riesigen Vögel in Frage stellt. Paläontologen nahmen bislang an, dass die großen Terrorvögel schwerfällig und langsam waren. Die Fußknochen des neuen Fossils sind aber schlank und lang, wie die von heutigen schnellen Laufvögeln, beispielsweise Emus oder Straußen. Dies legt die Annahme nahe, dass sie sich in ziemlich hohen Tempo bewegen konnten.

Der Monstervogel jagte höchstwahrscheinlich seiner Beute hinterher und benutzte seinen Schnabel um Säugetiere zu zerquetschen, die so groß wie ein Lamm waren. "Stellen Sie sich vor, was ein Tier mit einem Kopf dieser Größe tun konnte", sagt Chiappe. Die Seriemas, eine in Südamerika lebende Raubvogelart, werden als die nächsten heute noch lebenden Verwandten der Phorusrhacidae angesehen. Sie werden allerdings nur eine halben Meter groß.

Dieser Artikel wurde erstmals am 23.10.2006 bei news@nature.com veröffentlicht. © 2006, Macmillan Publishers Ltd

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