Paläontologie : Ur-Vierfüßer versteckte sich in Berlin

Seit hundert Jahren liegt das Fossil schon im Museum. Erst jetzt stellen Forscher fest, dass es sich um einen der ersten Vierfüßer auf der Erde handelt.

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Uralter Unterkiefer. Der Gesteinsabdruck ist ein seltenes Fossil.
Uralter Unterkiefer. Der Gesteinsabdruck ist ein seltenes Fossil.Foto: Naturkundemuseum

„Unbestimmter Quastenflosser“, mehr hatte Otto Jaeckel nicht zu dem Fossil zu sagen, das er Anfang des 20. Jahrhunderts aus Amerika ins Berliner Naturkundemuseum brachte. Hundert Jahre blieb es dort unbeachtet in einer Schublade liegen. Nun entpuppt es sich als seltener Fund eines 340 Millionen Jahre alten Vierfüßers (Tetrapoden). Als erste Wirbeltiere wagten sie sich vor 380 Millionen Jahren aus dem Wasser und begannen, sich ans Leben an Land anzupassen.

Florian Witzmann und Johannes Müller fiel auf, dass der vier Zentimeter lange Negativabdruck im Gestein nicht nach einem Fisch aussah. Sie machten Silikon- und Latexausgüsse und konnten anhand der Knochenstruktur von Gaumen und Unterkiefer nachweisen, dass der Schädel zu einem Ur-Vierfüßer gehört. Eine Gesteinsanalyse ergab, dass das Fossil aus dem unteren oder mittleren Abschnitt des St.-Louis-Kalksteins stammt und damit der älteste bekannte nordamerikanische Rest eines Tetrapoden ist. Er ist der älteste Vertreter einer urtümlichen Gruppe von Tetrapoden, den Colosteiden. Die salamanderhaften Tiere entstanden, bevor sich die Tetrapoden in zwei Gruppen aufspalteten, die zu Amphibien und Amnioten (Reptilien, Vögel, Säugetiere) führten. Sie starben vor 310 Millionen Jahren aus.

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