Paläontologie : „Weißer Hai“ im Trias-Meer

Berliner Paläontologen haben gemeinsam mit amerikanischen Kollegen das Fossil eines neun Meter großen Räubers geborgen, der vor 244 Millionen Jahren durch die Meere jagte.

Auf der Jagd. So stellt sich ein Künstler den Saurier vor, der vor 244 Millionen Jahren durchs Wasser schoss.
Auf der Jagd. So stellt sich ein Künstler den Saurier vor, der vor 244 Millionen Jahren durchs Wasser schoss.Raul Martin © 2013 National Geographic Magazine, mit Genehmigung des Verlags

Wo es Beute gibt, lassen große Räuber nicht lange auf sich warten. Entsprechende Belege liefert das Fossil eines fast neun Meter langen Fischsauriers, das deutsche und amerikanische Forscher untersucht haben. Gemessen an seinem kräftigen Körperbau und den scharfkantigen Zähnen, dürfte das Tier eine ähnliche Rolle gespielt haben wie heutige Schwertwale und Weiße Haie – und das nur wenige Millionen Jahre nach einem Massenaussterben, dem der Großteil aller Meeresbewohner zum Opfer gefallen war.

Der bislang unbekannte Räuber lebte vor etwa 244 Millionen Jahren und damit lediglich acht Millionen Jahre nach dem umfassendsten Artensterben der Erdgeschichte, dem Übergang von der Perm-Zeit zur Trias. Seine Existenz belege nicht nur einen raschen Neuaufbau des marinen Nahrungsnetzes, sagt Nadia Fröbisch vom Berliner Museum für Naturkunde. „Dieser Fund zeigt auch die Etablierung einer neuen, höheren Ebene in der Struktur des Ökosystems.“ Vergleichbare Reptilien, die an Größe ebenbürtige Tiere hätten überwältigen und zerteilen können, habe es zuvor in den Meeren nicht gegeben, schreiben die Forscherin und ihr Team in „PNAS“. Haie und Meeressäuger habe es erst später gegeben.

Das von den Paläontologen untersuchte Fossil war bereits 1997 in Nevada entdeckt worden. Doch erst elf Jahre später hatte es geborgen und im Field-Museum in Chicago vom umgebenden Gestein befreit werden können. Mit Ausnahme der Schnauzenspitze ist das Skelett des mindestens 8,6 Meter langen Ichthyosauriers demnach weitgehend vollständig erhalten.

Auffällig ist nicht nur der im Vergleich zur Körperlänge große Kopf, berichten Fröbisch und Kollegen. Auch die mehr als zwölf Zentimeter großen und mit zwei Schneidekanten versehenen Zähne heben das Tier deutlich von anderen Vertretern der Ichthyosaurier ab. Auf der Grundlage dieser und weiterer Besonderheiten ordnen die Forscher den Fund einer neuen Gattung und Art zu, die sie Thalattoarchon saurophagis nennen, den „echsenfressenden Herrscher der Meere“.

(JKM)

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