Wissen : Paris startet „Operation Campus“ neu

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Frankreichs Universitäten sollen wieder zur Weltspitze aufschließen: So lautete ein Ziel von Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy. Ein Anlass war die vergleichsweise schwache Platzierung französischer Unis in den einschlägigen internationalen Rankings. Milliarden Euro wurden bereitgestellt, zahlreiche Programme aufgelegt. Dazu gehörte auch, Campus an mehreren Standorten mit großem Aufwand zu sanieren und zu erweitern. Doch diese im Jahr 2007 unter dem Namen „Operation Campus“ gestartete Initiative war offensichtlich ein Reinfall, wie sich jetzt herausstellt. Von den ursprünglich eingeplanten fünf Milliarden Euro wurden bisher nur 188 Millionen Euro ausgegeben, lautet das Fazit einer Evaluation, die die neue Wissenschaftsministerin Geneviève Fioraso initiierte. „Kein Grundstein wurde gelegt, keine Baugenehmigung bei den Behörden registriert“, sagte Fioraso laut dem Magazin „University World News“, als sie jetzt die Evaluation vorstellte.

Dabei wurden bereits 2008 die ersten sechs Standorte für das Bauprogramm ausgewählt. Unis und außeruniversitäre Institute sollten sich dabei zusammentun, um schlagkräftigere Einheiten zu bilden. Kern des Problems ist offenbar die ursprüngliche Idee, die Sanierungen und Bauten als „Public Private Partnership“ durchzuführen: Privatunternehmen sollten demnach zunächst auf eigene Kosten die Bauten erledigen, der Staat die Einrichtungen dann zurückmieten. Doch die Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen habe sich als zu komplex erwiesen. Unter Präsident François Hollande soll die „Operation Campus“ wiederbelebt werden. Allerdings will man jetzt auf private Partner weitgehend verzichten.

Die damals ausgewählten Standorte gehören teilweise zu denen, die später bei anderen Programmen reüssierten. So legte Sarkozy 2010 eine französische Exzellenzinitiative (Initiative d’excellence, Idex) für die Forschung auf. Dabei wurden acht große Verbünde von Unis, Forschungsinstituten und Firmen ausgewählt, die sich vor allem um die Förderung von Innovationen kümmern sollen.

Neben „Idex“ starteten weitere Programme: etwa um Labore besser auszurüsten oder um die Gesundheitsforschung zu stärken. Für alle Wissenschaftsprogramme stehen bis zum Jahr 2030 insgesamt rund 22 Milliarden Euro zur Verfügung, also etwa eine Milliarde Euro pro Jahr. Ob „Idex“ eine bessere Bilanz wird vorweisen können, wird die Zukunft zeigen: Die letzte Auswahlrunde wurde erst in diesem Jahr entschieden. Tilmann Warnecke

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