• PETER GRÜNBERG UND ALBERT FERT: Europäischer Triumph: Ein deutsch-französischer Durchbruch

PETER GRÜNBERG UND ALBERT FERT : Europäischer Triumph: Ein deutsch-französischer Durchbruch

„Der Preis sichert meine Situation, in der Forschung bleiben zu können“, sagte Peter Grünberg, nachdem er mit Stockholm gesprochen hatte. Für ihn als „einfach neugierigen Menschen“ sei das das Wichtigste. Daniel Bürgler kann das bestätigen. „Grünberg gibt sich erst zufrieden, wenn er auch komplizierteste Sachverhalte mit ein paar Bleistiftstrichen skizzieren kann“, sagt er. Bürgler kennt Grünberg gut – schließlich arbeitet der Chef der Abteilung „Spintronik“ am Forschungszentrum Jülich seit acht Jahren mit dem Festkörperphysiker zusammen, der jetzt für die Entdeckung des Riesenmagnetwiderstands so hoch geehrt wurde. Bürgler ist Grünbergs Nachfolger, seit dieser 2004 nach mehr als 30 Jahren Arbeit in Jülich in den Ruhestand ging. Doch der heute 68-jährige Grünberg aus dem böhmischen Pilsen ist immer noch wissenschaftlich aktiv. Er sei kein „großer Organisator“ und genieße es jetzt, als Pensionär nur noch Forschung machen zu können, sagt Bürgler. „Er hält Vorträge und kommt mindestens einmal in der Woche in sein Büro im Forschungszentrum.“Grünberg sei ein bodenständiger Mensch, sitze nicht im Elfenbeinturm. Der Vater dreier Kinder begeistere sich für Musik und Literatur, er spiele Tennis und Golf. Grünberg studierte in Frankfurt und Darmstadt, wo er 1969 promovierte. Nach drei Jahren an der kanadischen Carleton-Universität wurde er 1972 Mitarbeiter in Jülich.

Parallel dazu lehrte er Physik an der Universität Köln.

Als hervorstechende Eigenschaft Grünbergs nennt Bürgler dessen Bescheidenheit. Als Chef habe er sich stets sehr für seine Mitarbeiter interessiert. Entsprechend war Grünbergs Reaktion, nachdem er den Anruf aus Stockholm erhalten hatte. Eine „Teamleistung“ sei ausgezeichnet worden, erklärte er und entkorkte zwei Flaschen Sekt „Jülicher Hausmarke“.

Trotz der vielen Auszeichnungen, die Grünberg schon bekommen hat, ist er stets auf dem Teppich geblieben, sagt auch Eberhard Goering vom Max-Planck-Institut für Metallforschung in Stuttgart. Der Physiker kennt Grünberg von Kongressen und einem kurzen Aufenthalt in Jülich. Überrascht hat es ihn nicht, dass Grünberg nun auch den Nobelpreis erhält. „Er war in den letzten Jahren immer unter den Favoriten“, sagt Goering. Schließlich sei dessen bahnbrechende Erfindung heute in Millionen von Festplatten eingebaut.

„Er hat schnell erkannt, dass seine Grundlagenforschung großes Potenzial in der Anwendung hat.“ Glücklicherweise habe Grünberg schnell das Patent gesichert, das ihm und dem Forschungszentrum viel Geld gebracht habe. „Zur Patentanmeldung musste mich erst mein Vorgesetzter auffordern“, erklärte Grünberg, der sich bei all dem Trubel gelassen gab. Schließlich habe er schon andere bedeutende Preise gewonnen. So erhielt er 1998 den Zukunftspreis des Bundespräsidenten, die EU-Kommission zeichnete ihn 2006 als „Erfinder des Jahres“ aus. 2007 erhielt er die Stern-Gerlach-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und den Japan-Preis – und zwar zusammen mit Albert Fert von der Universität Paris-Süd. Mit dem 69-jährigen Franzosen teilt er sich nun auch den Nobelpreis. Unabhängig voneinander haben die beiden Forscher 1988 den neuen Magneteffekt entdeckt. Dann arbeiteten sie eng zusammen, um die Zukunftstechnologie Spintronik in Fahrt zu bringen. „Ich bin mehr als glücklich, den Preis mit Peter Grünberg zu teilen“, sagte der in Carcassonne geborene Physiker und Mathematiker. „Wir haben unsere Forschungsergebnisse immer in fairer Weise ausgetauscht.“ Albert Fert lehrt seit 1976 als Professor an der Pariser Universität. Der zweifache Vater interessiert sich für Jazz, Fotografie und Kino und ist mit Tennis, Rugby und Windsurfen auch körperlich aktiv. Paul Janositz

Weitere Informationen über den deutschen Preisträger und die Forschung in Jülich: www.fz-juelich.de

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