Pferdeevolution : In der Steppe mischten viele Hengste mit

Erst Züchtung verengte die Vielfalt der Pferde.

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Urtier: Przewalski-Wildpferde beim Grasen in der Mongolei.
Urtier: Przewalski-Wildpferde beim Grasen in der Mongolei.Foto: L. Orlando/Nat. Hist. Mus. of Denmark

Seit Urzeiten dienen Pferde als Transportvehikel. „Dabei fing die Beziehung zwischen Mensch und Tier ursprünglich wohl ganz anders an“, erklärt der Paläogenetiker Michael Hofreiter von der Universität Potsdam. Als Menschen vor 5500 Jahren Pferde zähmten, ging es ihnen um Fleisch und Milch. Erst viel später wandelte sich das Schlacht- und Milchvieh zum Fortbewegungsmittel.

Pferdegrab im Dauerfrostboden Kasachstans

Ludevic Orlando vom Naturhistorischen Museum Dänemarks in Kopenhagen und vom Wissenschaftszentrum CNRS in Toulouse und Kollegen analysierten das Erbgut von 14 Pferden, die vor 4100 bis 2300 Jahren auf den Steppen Eurasiens grasten. Wie sie im Fachblatt „Science“ berichten, bevorzugten Züchter tatsächlich Pferde, die viel Milch gaben.

Forscher haben das Erbgut eines vor 2700 Jahren im Osten Sibiriens (im heutigen Jakutien) geopfertes und begrabenes Pferd untersucht.
Forscher haben das Erbgut eines vor 2700 Jahren im Osten Sibiriens (im heutigen Jakutien) geopfertes und begrabenes Pferd...Foto: Eric Crubézy/Science

Das Erbgut verrät noch mehr über die Herden. Während sich heute oft nur ein einziger Hengst vermehren darf und so viele Nachkommen hat, sah es vor Jahrtausenden völlig anders aus. „Damals mischten sehr viele Hengste mit“, fasst Michael Hofreiter die Studie zusammen, an der er am Rande beteiligt war. „Eine intensive Zucht gab es nicht.“ Was durchaus seine Vorteile hatte. Sind heute viele Erbeigenschaften verloren gegangen, weil sie nicht im Erbgut der wenigen Zuchthengste vorhanden waren, fanden die Forscher damals noch eine ähnliche Vielfalt wie bei Wildpferden.

Letztendlich sind die heutigen Hauspferde daher viel enger miteinander verwandt als die Stuten und Hengste auf den Steppen Eurasiens vor mehr als 2000 Jahren. Dabei lagen die meisten der untersuchten Tiere in einem einzigen Grab im Dauerfrostboden Kasachstans. Dort war vor 2300 Jahren ein Reiterfürst des Skythenvolkes mit wertvollen Beigaben und 13 Hengsten beigesetzt worden.

Gleiche Fellfarben wie bei heutigen Pferden

Das Erbgut von elf untersuchten Tieren zeigte kaum Verwandtschaftsbeziehungen. Weitere zwei Hengste wurden in einem 2700 Jahre alten Fürstengrab im Süden Sibiriens gefunden, eine vor 4100 Jahren begrabene Stute wurde im Süden von West-Sibirien dort entdeckt, wo zur gleichen Zeit die ersten von Pferden gezogenen Streitwagen auf zwei Rädern auftauchten. Kein einziges dieser Tiere stammte aus einer Inzuchtlinie.

Die Erbanlagen verraten auch, dass die Tiere damals bereits in den gleichen Fellfarben über die Steppe liefen, die heute noch beliebt sind: Genau wie vier Hengste war auch die Stute eine „Braune“, dazu kamen „Füchse“, Rappen und Gescheckte. Unter diesen Fellfarben verbarg sich eine große Erbgut-Vielfalt, die von den Züchtern in den letzten beiden Jahrtausenden bis heute drastisch reduziert wurde.

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