Wissen : Pharma-Studien: Wer zahlt, bestimmt das Ergebnis

Ob ein Arzneimittel in einer wissenschaftlichen Studie gut abschneidet, hängt stark davon ab, wer die Untersuchung bezahlt. Das ergab eine im Fachblatt „Plos Medicine“ erscheinende Analyse von 192 Studien, in denen sieben cholesterinsenkende Medikamente aus der Gruppe der Statine im Vergleich („Kopf an Kopf“) getestet wurden.

Herausragend waren zwei Ergebnisse der Analyse. Wenn die Studie die Überlegenheit des Testmedikaments gegen ein Konkurrenzprodukt belegte, war es 20-mal wahrscheinlicher, dass die Untersuchung vom Hersteller des „siegreichen“ Präparats bezahlt wurde. 35-mal wahrscheinlicher war, dass die Schlussfolgerungen oder die Interpretation der Studienergebnisse das Mittel des Studien-Finanziers favorisierten.

Nach Ansicht der Wissenschaftler gibt es verschiedene Wege, das für den Hersteller erwünschte Ergebnis zu erreichen. Das missliebige Konkurrenzprodukt kann zu niedrig dosiert werden, so dass es unterliegen muss. Resultate, die nicht den Erwartungen entsprechen, werden nicht veröffentlicht. Erwünschte Ergebnisse werden dagegen gleich mehrfach publiziert, um auf diese Weise die Zahl positiver Artikel zu erhöhen.

Außerdem stellten die Forscher fest, dass fast die Hälfte der Studien nicht „verblindet“ waren. Die federführenden Wissenschaftler wussten also, welches Präparat die Patienten erhielten. Deshalb besteht die Gefahr einer systematischen Bevorzugung. Wenn dagegen weder Patienten noch Ärzte wissen, wessen Produkt getestet wird, fällt das Ergebnis häufig objektiver aus.

Die größte Schwäche der meisten Arzneimittelstudien war, dass der Maßstab für den Erfolg eines Präparats nicht überzeugte. Statt Ereignisse aus dem „wirklichen Leben“ zu messen – etwa, ob Mittel A oder Mittel B die Zahl der Herzinfarkte verringert –, wurde oft bereits ein bestimmter Cholesterinwert als Ausdruck für Erfolg oder Misserfolg angesehen.

„Die Daten aus dem Vergleich cholesterinsenkender Medikamente sind anscheinend durch finanzielle Interessenkonflikte beeinflusst“, sagt Lisa Bero von der Universität Kalifornien in San Francisco, die Leiterin der Studie. Wer auch immer über ein neues Medikament zu entscheiden habe, „sollte bei dieser Art Studien skeptisch sein. Wir brauchen dringend Informationen darüber, ob ein neues, teures Mittel wirklich besser ist als das ältere, billigere Präparat.“ wez

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