Philosophie : Der Weise und das Schweinchen

Skeptiker hat es zu allen Zeiten gegeben. Doch der Erste, der das Zweifeln ganz in den Mittelpunkt seiner Philosophie stellte, war der Grieche Pyrrhon von Elis (um 340 bis 270 v. Chr.). Schon vor Pyrrhon hatten Denker darauf hingewiesen, dass unsere Sinneswahrnehmungen trügerisch sind. Pyrrhon dehnte diese Skepsis auf Fragen der Moral und der Logik aus.

Jedes Argument lässt sich mit einem Gegenargument kontern; was sittlich und moralisch geboten ist, entpuppt sich als Frage der Konvention, der man im Zweifelsfall einfach folgen sollte. Pyrrhon empfiehlt, sich jeden Urteils zu enthalten. Das Ergebnis ist buchstäblich „Gleich-Gültigkeit“.

Folgerichtig sagte man Pyrrhon eine unerschütterliche Gemütsruhe nach. Als der Philosoph Anaxarch, mit dem zusammen er Alexander den Großen begleitete, in einen Sumpf fiel, ging Pyrrhon weiter, ohne ihm zu helfen. Und als sein Schiff im Ionischen Meer in einen Sturm geriet, blieb der Weise gelassen, obwohl die Besatzung Todesängste ausstand. Pyrrhon wies auf ein Schweinchen hin, das sich nicht vom Fressen abhalten ließ und erklärte sein Verhalten zum Vorbild für die Philosophen.

Pyrrhon war also angesichts der allgemeinen Ungewissheit nicht etwa von Zweifeln zerfressen, sondern strebte nach einem Zustand innerer Ausgeglichenheit oder Glückseligkeit, griechisch Eudämonie. Sextus Empiricus, ein späterer Skeptiker, prägte das Wort von der „Meeresstille der Seele“. Wegen seiner Entrücktheit sehen manche Autoren bei Pyrrhon eine Nähe zum Buddhismus. Als Mitglied von Alexanders Hofstaat könnte er in Indien durchaus mit der buddhistischen Lehre und östlicher Philosophie in Kontakt gekommen sein. (wez)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben