Pille für den Mann : Japanische Forscher legen Maus-Spermien lahm

Der Marathon bis zur Eizelle ist für ein Spermium nur die erste Etappe. Doch selbst diese können sie kaum bewältigen, wenn ein Eiweiß fehlt.

Sascha Karberg
Spermien Foto: Jim Mossman, Brown University
Gute Schwimmer, schlechte Schwimmer. Fehlt ein bestimmtes Eiweiß, kommen Spermien kaum noch voran.Foto: Jim Mossman, Brown University

Wenn es eine fleißige Spermienzelle nach langem Marathon durch den Eileiter endlich als erste zur Eizelle geschafft hat, fängt der Stress erst richtig an. Der Erbguttransporter muss sich mit wildem Geißelschlag und einigen Verrenkungen durch die Eihülle winden – im Biologensprech Hyperaktivierung genannt. Erst dann klappt es mit der Verschmelzung der beiden Keimzellen. Fehlt jedoch eine bestimmte Form des Eiweißes Calcineurin, brauchen die Samenzellen gar nicht erst an den Start zu gehen. Das haben japanische Forscher entdeckt und damit einen neuen Ansatz für eine Verhütungspille für den Mann gefunden.

Calcineurin ist schon länger im Visier der Forscher, doch da es viele unterschiedliche Varianten des Proteins gibt, war nicht klar, welche für die Funktion in Samenzellen verantwortlich ist. Als das Team um Haruhiko Miyata von der Universität Osaka im Erbgut von Mäusen das Gen für die Calcineurin-Variante PPP3CC ausschaltete, blieben die männlichen Mäuse unfruchtbar. Die Spermien konnten kaum noch schwimmen und brachten auch keine Hyperaktivierung mehr zustande, schreiben die Forscher im Fachblatt „Science“. Selbst unter Idealbedingungen im Reagenzglas konnten die Spermien keine Eizellen mehr befruchten.

Verabreichten die Forscher den Mäusen Medikamente, die Calcineurin-Proteine lahmlegen, waren die Spermien nach vier bis fünf Tagen unfruchtbar. Demnach ist Calcineurin beim Heranreifen der Spermien wichtig, ausgewachsene Samenzellen können die Wirkstoffe gegen Calcineurin aber nicht mehr stoppen. Werden die Arzneien abgesetzt, bildet der Hoden binnen einer Woche wieder befruchtungsfähige Spermien nach.

Experimente mit menschlichen Spermien stehen noch aus. Die Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass sie ähnlich verlaufen, denn auch Menschen haben die Calcineurin-Variante PPP3CC.

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