Plagiate : Doktorarbeiten sollen „originell und eigenständig“ sein

Seltsame Zitierweisen: Die Fakultätentage wehren sich gegen die Erosion wissenschaftlicher Standards. Mit einer "Handreichung" für Prüfer und Prüflinge

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Mit einer „Handreichung“ für „Prüfer und Prüflinge“ schalten sich die Fakultätentage und der Deutsche Hochschulverband in die Debatte um Plagiate in der Wissenschaft ein. Die elf am gestrigen Montag veröffentlichten „Grundsätze“ enthalten Hinweise für das Verfassen „wissenschaftlicher Qualifikationsarbeiten“ vom Bachelor bis zur Habilitationsschrift. Die Wissenschaft sei gezwungen, „sich zunehmend mit sich selbst zu beschäftigen“, da sie national und international „zum Teil mit erheblicher medialer Aufmerksamkeit“ von „Plagiatsaffären erschüttert“ werde. Nicht der Staat, sondern „die Gemeinschaft der Wissenschaftler“ müsse aber für die Definition und Einhaltung wissenschaftlicher Standards Verantwortung übernehmen, heißt es zur Begründung. Die Prüflinge selbst, vor allem aber die Professoren seien in der Pflicht, die Standards „anzuwenden und vorzuleben“: „Die Unkultur des ,Wegsehens’ ist selbst ein wissenschaftliches Fehlverhalten.“

Die Unterzeichner des Papiers betonen, „Originalität und Eigenständigkeit“ seien die „wichtigsten Qualitätskriterien jeder wissenschaftlichen Arbeit“. In den Geistes- und Sozialwissenschaften zeige sich Qualität aber auch in der Fähigkeit eines Autors, „fremden Gedankengängen und Inhalten aus wissenschaftlichen Vorarbeiten vor dem Hintergrund eigener Erkenntnis einen eigenen sprachlichen Ausdruck zu verleihen“, heißt es. „Erst mit diesem mit Zitaten bzw. Verweisen belegten Vorgang macht sich ein Verfasser fremde Gedanken und Resultate legitimerweise zu eigen“. Es müsse „durchgängig und unmissverständlich“ erkennbar sein, „was wörtlich und gedanklich entlehnt wird“. Tradiertes Allgemeinwissen einer Disziplin müsse jedoch nicht durch Verweise nachgewiesen werden. In den Natur- und Ingenieurwissenschaften beweise sich „Originalität und Eigenständigkeit im experimentellen Design, der kritischen Analyse und Wertung der Daten und der Fähigkeit, in differenzierender Weise erhobene Ergebnisse in den wissenschaftlichen Kontext einzubinden“.

Unlängst war die 32 Jahre alte Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) dafür ins Visier von Plagiatsjägern im Internet geraten, weil dort Gedankengut bedeutender Denker aus Sekundärquellen zitiert wird, ohne dass dies nach Ansicht der Kritiker ausreichend gekennzeichnet wird. Die Universität Düsseldorf überprüft die Arbeit nun.

Auch zu den Schavan vorgeworfenen „Selbstplagiaten“ äußern sich die Fakultätentage und der Hochschulverband: Es verstoße gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis, wenn die Übernahme eigener Texte nicht belegt werde.

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