Plagiate : Rettet den Doktor!

Ist Ideenrecycling bei Dissertationen die Norm? Die Promotion ist ins Gerede gekommen. Ein Plädoyer für klare Standards.

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Überraschende Fragen. Dissertationen sollen innovativ sein – meist sind sie es. Foto: Rückeis
Überraschende Fragen. Dissertationen sollen innovativ sein – meist sind sie es. Foto: Rückeis

Die Nachrichten über Plagiate in der Wissenschaft, insbesondere in Doktorarbeiten, werden allmählich unübersichtlich. Zwar war der vormalige Verteidigungsminister und Absolvent der juristischen Fakultät der Universität Bayreuth, Karl Theodor zu Guttenberg, nicht der erste Promovierte, dem in seiner Doktorarbeit Plagiate, das heißt Diebstahl geistigen Eigentums, nachgewiesen werden konnten. Er war aber wohl der prominenteste. Im Anschluss an seinen Plagiatsfall tauchten immer neue Namen von politischen Funktionsträgern auf, die – wie es dann immer verharmlosend heißt – in ihren Arbeiten „geschummelt“, das heißt Zitate nicht als solche gekennzeichnet, Quellen nicht nachgewiesen, ganze Textbausteine ohne Autorennachweis einfach übernommen hätten.

Dabei beschränkt sich die öffentliche Debatte über diese Beispiele wissenschaftlichen Fehlverhaltens in der Regel auf die rechtliche Bewertung. Es wird gefragt, ob „schon“ oder „noch nicht“ von einem Plagiat die Rede sein kann; wie dieses definiert sei; welche Grenzfälle vielleicht noch erlaubt seien etc. Noch nicht recht im Blick war bislang hingegen der Umstand, dass es sich bei den in Rede stehenden Dissertationen um wissenschaftliche Arbeiten handelt, damit aber auch Fragen des wissenschaftlichen Selbstverständnisses und der Angemessenheit unterschiedlicher wissenschaftlicher Verfahren angesprochen sind.

Die Affäre Guttenberg in Bildern:

Die Plagiatsaffäre - Guttenberg bis zum Schluss
1. März 2011: Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem Abgang aus dem Amt des Bundesverteidigungsministers. Die Universität Bayreuth wirft ihm Anfang Mai "vorsätzliches wissenschaftliches Fehlverhalten" vor. Er habe "die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht."Weitere Bilder anzeigen
1 von 54Foto: Reuters
06.05.2011 14:321. März 2011: Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem Abgang aus dem Amt des Bundesverteidigungsministers. Die Universität Bayreuth...

In der Diskussion um die Dissertation der Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan haben nun allerdings auch Wissenschaftler Positionen eingenommen, die deutlich machen, dass die wissenschaftlichen Standards für Dissertationen bereits ins Rutschen geraten sind. Ein Beispiel dafür sind die jüngsten Äußerungen des Düsseldorfer Erziehungswissenschaftlers und Bildungsforschers Heiner Barz auf „Zeit online“. Wissenschaft, so Barz, sei oft nur ein „Ideenrecycling“, bestehe doch die Arbeitsweise im akademischen Betrieb, und so auch in Dissertationen, darin, „aus hundert Büchern ein neues Buch zu machen. Also das zusammenzutragen, was man woanders an Ideen und Lesarten findet.“

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